Sol LeWitt. Wandzeichnungen von 1968 bis 2007

AusstellungenSol LeWitt. Wandzeichnungen von 1968 bis 2007

Bis zum 12. August 2013

Wo?: Galerie 2
Was?: Ausstellungen
Publikum: Alle Altersklassen

Mit dieser Ausstellung präsentiert das Centre Pompidou-Metz eine in Europa bisher einzigartige Retrospektive des amerikanischen Konzeptkünstlers Sol LeWitt (1928–2007).

Das Centre Pompidou-Metz würdigt den amerikanischen Konzeptkünstler Sol LeWitt (1927–2008) mit einem einzigartigen Ausstellungsprojekt. Bei der Retrospektive seiner wall drawings (Wandzeichnungen) werden in Galerie 2 auf einer Gesamtfläche von 1.200 m² insgesamt 33 Wandzeichnungen zu sehen sein. Damit ist diese Ausstellung, die den Werdegang des Künstlers von seinen Anfängen bis zu seinen letzten Arbeiten nachzeichnet, die bis dato bedeutendste Zusammenschau von Sol LeWitts wall drawings in Europa.

Zwischen 1968 und 2007 konzipierte LeWitt insgesamt 1.200 wall drawings. Die für die Ausstellung ausgewählten Arbeiten reflektieren die außergewöhnliche Kohärenz seiner Methoden zur Erforschung endlicher Systeme (durch logische Permutation und Kombination geometrischer Figuren) ebenso wie die bemerkenswerte Vielseitigkeit seiner Praxis, die sowohl in der kontinuierlichen Erweiterung seines Formenrepertoires (von einfachen geometrischen Figuren hin zu seinen „complex“ oder „continuous forms“) als auch im Einsatz diverser Zeichenmedien (Bleistift, Pastellkreide, Tusche, Acrylfarbe, Grafitstift) offenbar werden.

Die Realisierung der wall drawings erfolgte in einer einzigartigen Kooperation zwischen dem Centre Pompidou-Metz und verschiedenen französischen Kunst- und Architekturhochschulen im französischen Nordosten und ist damit exemplarisch für die von LeWitt vertretenen Prinzipien der Zusammenarbeit.

Das M-Museum im belgischen Löwen präsentiert in Kooperation mit dem Centre Pompidou-Metz zum 14. Oktober 2012 die Ausstellung Sol LeWitt. Colors, die mit rund 20 Wandzeichnungen des Konzeptkünstlers ein farbiges Pendant zu der Schwarz-Weiß-Retrospektive in Metz bildet.

Im 2013 präsentiert das Centre Pompidou-Metz dann die Privatsammlung des amerikanischen Konzeptkünstlers. Die Austellung Der Sammler Sol LeWitt. Ein Künstler und seine Künstler offenbart damit einen weitere Facette der außergewöhnlichen Karriere LeWitts, der nicht nur äußerst produktiver Künstler, sondern auch leidenschaftlicher Sammler war.

Kuratorin:
Béatrice Gross, freie Kuratorin und Kritikerin, New York

LeWitts Konzept der Wandzeichnung

Obgleich sie an die Freskenmalerei der italienischen Renaissance erinnern, markierten die wall drawings Ende der 1960er-Jahre den Beginn eines tief greifenden Wandels in der zeitgenössischen zeichnerischen Kunstpraxis im Besonderen und in der Kunst im Allgemeinen. Als physischer Ausdruck der Denkprozesse (thought processes), die der Künstler bei ihrer Konzeption leistet, werden sie nach Abschluss der Planung unmittelbar auf die Wände des Ausstellungsortes aufgebracht, wobei ihr Maßstab meist an dessen Gegebenheiten angepasst wird. Damit erfolgt die Realisierung der wall drawings konsequent in situ, und ihre physische Existenz beschränkt sich auf den Zeitraum der Ausstellung. Nach deren Ende werden sie zerstört, wodurch das Werk in seiner konkreten Form eine flüchtige Dimension erhält. Sein Inhalt (oder Konzept) jedoch bleibt bei jeder Ausstellung unverändert.

Für die Mehrzahl seiner Wandzeichnungen schuf LeWitt allein das Konzept, die Ausführung ist Dritten überlassen, denn er betrachtete Idee und Konzept, wie er 1966 schrieb, als wichtigste Aspekte der künstlerischen Arbeit. So können etwa erfahrene Assistenten aus seinem Atelier oder auch mit dieser Aufgabe noch nicht vertraute Zeichner die detailgenaue Umsetzung der von ihm erarbeiteten Anweisungen und Diagramme übernehmen. Gleich Musikern, die das Werk eines Komponisten interpretieren, führen die Zeichner die von LeWitt bestimmten geometrischen Formeln auf ihre Weise aus, ohne dabei das vom Künstler erarbeitete Werk zu manipulieren.

LeWitts Wandzeichnungen basieren auf:

  • einem eingeschränkten visuellen Ausgangsvokabular aus elementaren geometrischen Formen: gerade oder nicht gerade Linie, durchbrochene Linie, Gitter, Bogen, Kreis, Quadrat usw.
  • einer Erweiterung des Vokabulars hin zu unregelmäßigeren und komplexen Formen wie Windungen und Schleifen sowie einer Weiterentwicklung bei den Zeichenmedien mit dem Einsatz von Bleistift, Pastellkreiden, Tusche, Acrylfarbe oder auch Grafitstift.

Die Entscheidung für Schwarz-Weiss

Das Centre Pompidou-Metz hat sich entschieden, 33 ausschließlich schwarz-weiße Wandzeichnungen zu zeigen. Mit der Entscheidung für die schwarz-weißen Wandzeichnungen gewinnt die Ausstellung außerdem an visueller Wirkmacht. Je nach den verwendeten Materialien und Techniken lässt der eindruckvolle Kontrast zwischen Schwarz und Weiß oder das nuancierte Spiel zwischen verschiedenen Grautönen optische Effekte zutage treten, die den ausgewählten Werken eine ganz besondere Wirkung verleihen – ob das subtile Vibrieren der Bleistiftlinien, die zarten Nuancen der Tusche oder der akzentuierte Rhythmus der weißen und schwarzen Farbflächen in Acryl.

 

Realisierung der Ausstellung in Zusammenarbeit mit französischen Kunsthochschulen

Die Ausführung der Wandzeichnungen im Centre Pompidou-Metz erfolgte im Rahmen eines pädagogischen Ausnahmeprojekts, bei dem junge Künstler und Studenten aus dem Nordosten Frankreichs die Gelegenheit hatten, Seite an Seite mit erfahrenen Zeichnern aus dem Atelier LeWitt zu arbeiten.
An der Ausführung der Wandzeichnungen beteiligt waren:

  • 65 Studenten von den folgenden 4 Kunsthochschulen: l’École supérieure d’art de Lorraine, Metz-Épinal, l'ENSarchitecture de Nancy, l’École nationale supérieure d’art de Nancy, l'ESAD de Reims/École supérieure d’Art et de Design;
  • 13 junge diplomierte Künstler;
  • 7 professionelle Assistenten.

Für jede Wandzeichnung war jeweils ein aus Künstlern und Studenten bestehendes Team zuständig, das von einem professionellen Assistenten betreut und geleitet wurde. Dieser unterstützte sein Team über die gesamte Zeit der Ausführung hinweg und ermöglichte ihm, sofern der Schwierigkeitsgrad der Zeichnung es erlaubte, ein selbstständiges Arbeiten. Die Studenten ihrerseits zeichneten verantwortlich für die Vorbereitung des Arbeitsmaterials sowie die konkrete Ausführung der Zeichnungen nach den Anweisungen des Künstlers.

 
Der Ausstellungskatalog

Anlässlich der Ausstellung gibt das Centre Pompidou-Metz einen 480 Seiten starken Katalog heraus, der in französischer und englischer Sprache erscheinen wird. Da zahlreiche frühere Werke über den Künstler inzwischen weitgehend vergriffen sind, soll dieser Katalog in Zukunft als Referenzwerk über Sol LeWitt dienen.

Der in Zusammenarbeit mit dem M-Museum in Löwen konzipierte Katalog wird voraussichtlich im September 2012 erscheinen.

Sol LeWitt
Ausstellungskatalog, herausgegeben von Béatrice Gross
Verlag des Centre Pompidou-Metz
In Zusammenarbeit mit dem M-Museum in Löwen, Belgien
Erscheinungsdatum: September 2012
480 S., gebunden, 49,90 EUR

Französische Ausgabe: ISBN 978-2-35983-017-0
Englische Ausgabe: ISBN 978-2-35983-018-7

Enge Zusammenarbeit mit der Sammlung LeWitt
Die Ausstellung Sol LeWitt. Wandzeichnungen von 1968 bis 2007 in Galerie 2 des Centre Pompidou-Metz wurde in enger Zusammenarbeit mit der LeWitt Collection (Chester, Connecticut) konzipiert und realisiert.

Sol LeWitt Werk und Werdegang

Sol LeWitt (1928–2007) wurde in Hartford im USamerikanischen Bundesstaat Connecticut geboren. Er studierte Kunst an der Universität Syracuse im USBundesstaat New York und an der Cartoonist and Illustrator School (heute School of Visual Arts) in New York City. Er arbeitete als Grafiker im Architekturbüro von I.M. Pei sowie als Nachtportier im Museum of Modern Art, wo Künstler wie Robert Ryman, Dan Flavin und Robert Mangold und die Kunstkritikerin Lucy R. Lippard zu seinen Kollegen gehörten. LeWitt wurde zunächst der Minimal-Art-Szene zugerechnet, von der er sich jedoch distanzierte, um sich voll und ganz einem konzeptuellen künstlerischen Ansatz zu widmen. Der Künstler definierte die theoretischen Grundlagen seiner Kunst in zahlreichen Schriften, darunter auch die berühmten Aufsätze „Paragraphs on Conceptual Art“ (1967) sowie „Sentences on Conceptual Art“ (1969).

Die wall drawings, mit denen LeWitt 1968 im Alter von 40 Jahren begann, sind wohl seine berühmtesten Werke, doch sein Oeuvre umfasst außerdem noch dreidimensionale Werke (bekannt als „structures“ – Strukturen), Zeichnungen auf Papier, Fotoserien, Drucke und Künstlerbücher. So arbeitete der Künstler mit verschiedenen Medien, die er jedoch allesamt als Werkzeuge zur Erforschung seiner Denkprozesse einsetzte. Diese fließende Zusammenspiel der unterschiedlichen Medien führte auch zur Realisierung von LeWitts ersten Wandzeichnungen: Für das Xerox Book, eine Sammelpublikation verschiedener Künstler, schuf er ein System aus 24 Papierzeichnungen, die er im Anschluss direkt auf die Wände der Paula Cooper Gallery in New York aufbrachte. Dieses Werk mit dem Titel Wall Drawing #2, Drawing Series II (A) (24 drawings) ist im Centre Pompidou-Metz erneut zu sehen.

Seine erste Einzelausstellung hatte Sol LeWitt 1965 in der John Daniels Gallery in New York. Von da an wurde sein Werk in zahlreichen Ausstellungen in Galerien und Museum und bei internationalen Kunstereignissen gezeigt.

Übersetzungen der Texte von Sol LeWitt

„WANDZEICHNUNGEN MACHEN“, 1971 (DOING WALL DRAWINGS)
Der Künstler konzipiert und plant die Wandzeichnung.
Ausgeführt wird sie von Zeichnern (der Künstler kann als sein eigener Zeichner fungieren). Der Plan (geschrieben, gesprochen oder als Zeichnung) wird durch den Zeichner interpretiert.
Bei der Ausführung des Plans muss der Zeichner Entscheidungen treffen. Diese sind Teil des Plans. Jeder ist in seiner Art einzigartig, und darum wird auch jeder dieselbe Anweisung auf seine Art ausführen – und sie auch anders verstehen.
Der Künstler muss verschiedene Interpretationen seines Plans zulassen. Der Zeichner versucht, den Plan des Künstlers zu verstehen, und deutet ihn nach seinen eigenen Erfahrungen.
Der Beitrag des Zeichners ist für den Künstler nicht vorhersehbar, auch wenn der Künstler selbst die Ausführung der Zeichnung übernimmt. Selbst wenn ein und derselbe Zeichner denselben Entwurf zweimal ausführen würde, würden zwei unterschiedliche Kunstwerke entstehen. Niemand kann dasselbe zweimal machen.
Der Künstler und der Zeichner produzieren das Kunstwerk gemeinsam.
Jeder Mensch zeichnet eine Linie anders. Und jeder versteht Worte anders.
Weder Linien noch Worte sind Ideen. Sie dienen lediglich dazu, Ideen zu transportieren.
Die Wandzeichnung ist Kunst des Künstlers. Solange der Plan nicht verletzt wird. Wenn dies geschieht, wird der Zeichner zum Künstler, und die Zeichnung wäre sein Kunstwerk. Allerdings ein Kunstwerk, das das ursprüngliche Konzept parodiert.
Dem Zeichner können bei der Ausführung des Plans Fehler unterlaufen. Damit macht er den Plan nicht zunichte.
Alle Wandzeichnungen enthalten Fehler. Sie sind Teil des Werkes.
Der Plan besteht als Idee, muss jedoch in seine optimale Form gebracht werden. Bloße Ideen zu Wandzeichnungen sind ein Widerspruch zur Idee der Wandzeichnung.
Die fertige Wandzeichnung sollte immer zusammen mit dem detaillierten Plan gezeigt werden. Beide sind gleichwertig.
Erstmals auf Englisch veröffentlicht unter dem Titel „Doing Wall Drawings“ in: Art Now, Bd. 3, Nr. 2, New York, Juni 1971, o. S.
Première publication en français in Mise en pièces, mise en place, mise au point, cat. exp., Chalon-sur-Saône, Maison de la culture / Dijon, Le Coin du miroir, 1981, p. 54.
Textes traduits de l’anglais par Catherine Vasseur

© LeWitt Collection, Chester, Connecticut

Sol LeWitt. Wandzeichnungen von 1968 bis 2007, im rahmen von MONO

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     Logo MONO

Mit MONO starten 15 Kultureinrichtungen im Saarland, in Lothringen und dem Großherzogtum Luxemburg in disem Sommer ein neues Konzept zur modernen und zeitgenössischen Kunst. Vom 1. Juni bis 2. September 2012 präsentieren sie in dieser Région 20 Monografien zu Künstlern der Moderne und der Gegenwart.
MONO entspringt der Kooperation von 15 Kulturinstitutionen mit jeweils eigener Persönlichkeit und Programmgestaltung. Durch den Zusammenschluss ihres Know-hows und ihrer Erfahrungen verleihen sie der modernen und zeitgenössischen Kunst eine neue Dimension.
Ein Fundament dafür wurde bereits gelegt, indem das Projekt „Europäische Kulturhaupstadt Luxemburg‟ 2007 auf die Großregion ausgedehnt wurde. Durch die einzigartige geografische Lage an der Kreuzung der großen europäischen Nord-Süd- und Ost-West-Verkehrsachsen profitieren die Institutionen der modernen und zeitgenössischen Kunst von der besonderen Dynamik und Realität ihrer Vernezung.
In diesem Sinne wurden die 20 Künslermonografien angelegt. Die Institutionen eröffnen den Besuchern diese Art der Ausstellung aus ihren jeweils eigenen Perspektiven, die sich zu einem Gesamtbild ergänzen.
Die Besucher sind eingeladen, über die Werke hinaus auch die jeweiligen Ausstellungsorte zu entdecken. Ein Ziel von MONO ist es, die Aufmerksamkeit für diese außergewöhnlichen Kulturinstitutionen (wieder) zu wecken, die in dieser Region einen besonderen Kulturreichtum eröffnen. Um den Ablauf zu vereinfachen, wurde der MONO Pass eingerichtet. Inhaber profitieren von ermäßigten Eintrittspreisen für die Ausstellungen und der kostenfreien Nutzung der Shuttle-Busse, die jeden Samstag zwischen den teilnehmenden Ausstellunsorten verkehren.

MONO PASS

Ihren MONO Pass erhalten Sie in den teilnehmenden Kulturinstitutionen oder den Tourismus büros in Luxemburg, Metz und Saarbrücken. Damit profitieren Sie von ermäßigten Eintrittspreisen für alle Ausstellungen und den kostenfreien Shuttle-Bussen!

Die Shuttle-Bussen

Samstags werden den ganzen Sommer über von Metz, Luxemburg und Saarbrücken Rundfahrten starten. Mit ihrem variablen Programm geben sie Gelegenheit, im Laufe der gesamten Veranstaltung möglichst viele Ausstellungen zu besuchen.
In jedem Shuttle-Bus wird ein Reiseführer die Fahrt mit interessanten Informationen in der Sprache des Ausgangsortes ergänzen.
Die Fahrt mit den Shuttle-Bussen ist kostenfrei, muss jedoch zuvor telefonisch +800 57001057 oder per E-Mail an bus@mono2012.eu reserviert werden.
Einige Rundfahrten enthalten eine kostenlose Stadtführung.
Ebenso kommen die Teilnehmer in den Genuss einer Führung durch jede an diesem Tag besuchte Ausstellung (MONO-Eintrittspreis für kostenpflichtige Ausstellungen).

Mehr Infos: www.mono2012.eu

Arts Flanders, partner von MONO

2012 finden in Belgien fünf bedeutende Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in verschiedenen flämischen Provinzen statt.
Visual Arts Flanders 2012 präsentiert Beaufort04 (belgische Küste), TRACK (Gent), Middelheim (Antwerpen), die Manifesta 9 (Genk) und Newtopia (Mecheln). Dank der geografischen Lage der fünf Veranstaltungsorte und des gemeinsamen Fokus auf die Gegenwartskunst konnte eine internationale Kommunikationsplattform entwickelt werden, auf der sich diese Ausnahmeveranstaltungen gemeinschaftlich präsentieren.
www.visualartsflanders.be
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