austellung
05. Nov. 2022 -> 17. Apr. 2023

Les Portes du possible

Art & science-fiction
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Datum

05. Nov. 2022 -> 17. Apr. 2023

Ort

Galerie 3 et Grande Nef

Kuratorin

Alexandra Müller, Recherchebeauftrage und Kuratorin am Centre Pompidou-Metz

"Science-Fiction ist die Kunst des Möglichen", erklärte Ray Bradbury. Unter dem Deckmantel der Antizipation erzählt sie uns von der Gegenwart; sie ist ein Laboratorium für Hypothesen, die die Normen und repressiven Dogmen der heutigen Welt, ihre Ambitionen, ihre sozialen Leiden, ihre Chancen und ihre Gefahren manipulieren und extrapolieren.

In den letzten Jahrzehnten ist eine "flüssige" Form der Gegenwart entstanden, die unsere Gewissheiten und Gewohnheiten zersetzt und sowohl Entdeckungen als auch deren Veralterung beschleunigt. In diesem instabilen Kontext lassen sich viele Künstler von der Welt der Science-Fiction inspirieren, um kritische Überlegungen anzustellen. Sie kann feiner und tiefer als andere Genres die Potenziale des Menschlichen hinterfragen, indem sie insbesondere die Trennlinien zwischen Wissenschaft, Ethik und Politik überwindet, um einen "externen" Blick auf die Menschheit und ihre Erfindungen zu werfen.

Indem sie die Möglichkeiten der Gegenwart entwickelt, Geschichten auf der Grundlage wissenschaftlicher Hypothesen entwirft oder unerhörte Lebensweisen und Realitäten entwirft, ist die Science-Fiction ein Genre, das den Menschen mit der radikalen Andersartigkeit konfrontiert. Sie bietet eine Emanzipation von den vorherrschenden politischen Diskursen, sie verkörpert die Andersartigkeit, die politische Utopie und die tiefgreifende Erneuerung unserer Wahrnehmung. Aus diesem Grund ist sie seit jeher ein idealer Nährboden für Protestbewegungen.

Spekulative Fiktion irritiert uns, bringt uns durch Erschrecken weiter, erschüttert die Bollwerke unserer Gewohnheiten und die unseres Bewusstseins. Auch wenn sie von den Rändern her agiert, sind die Themen, die sie aufgreift, zentral für die aktuellen gesellschaftlichen Probleme, die uns alle betreffen: soziale Fragmentierung, Ultrakapitalismus, neue Formen des Panoptismus und Totalitarismus, Entfremdung, Trans-/Posthumanismus, Aufhebung der Geschlechtergrenzen, Kolonialismus oder natürlich die ökologische Katastrophe und die Veralterung des Menschen. Seit der historischen Ausstellung Science-fiction, die Harald Szeemann 1967/68 in der Kunsthalle Bern, dem Musée des Arts Décoratifs in Paris und der Kunsthalle Düsseldorf veranstaltete, also zu einer Zeit, als die Science-Fiction auf dem Vormarsch war, wurden ihrer fruchtbaren Verbindung mit der Kunst nur wenige größere Projekte gewidmet.

Mit rund 180 Werken aus den späten 1960er Jahren bis heute zeigt die Ausstellung Die Tore des Möglichen. Kunst & Science Fiction auf 2300 m2 mit bildenden Künstlern und Schriftstellern, aber auch Architekten und Filmemachern nach Kapillaren zwischen Fantasiewelten und der Realität.

Nach dem Modus der selbsterfüllenden Prophezeiungen prägt die Science-Fiction weiterhin unsere Vision der Zukunft und beteiligt sich an ihrer Gestaltung. Die Veränderung der Vorstellungswelt und der Semantik bedeutet auch, den Weg der Gesellschaften zu beeinflussen.

Die Ausstellung wird sich nicht auf das vorherrschende dystopische Prisma konzentrieren, sondern auf eine Wiederbelebung und freiwillige Aneignung der Zukunft hinarbeiten.

Die Ausstellung Die Tore des Möglichen. Kunst & Science Fiction steht in der Tradition einer kritischen und sozial engagierten Science Fiction, die am Rande der Hippie-Protestbewegungen entstand und die Verwerfungen unserer unmittelbaren Zukunft unter Verwendung philosophischer, psychologischer, politischer, gesellschaftlicher und ökologischer Themen erforscht.

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