Leiris & Co. Picasso, Masson, Miró, Giacometti, Lam, Bacon…

AusstellungenLeiris & Co. Picasso, Masson, Miró, Giacometti, Lam, Bacon…

Vom 3. April bis 14. September 2015

Wo?: Galerie 3
Was?: Ausstellungen
Publikum: Alle Altersklassen

Michel Leiris (1901-1990) gilt als einer der bedeutendsten französischen Intellektuellen der 20. Jahrhunderts. Er war gleichzeitig Dichter, autobiografischer Schriftsteller, Ethnologe von Beruf und intimer Freund der größten Maler seiner Zeit. Das Centre Pompidou-Metz widmet dieser herausragenden Persönlichkeit, deren Leben ganz im Zeichen der großen Fragen und Ideale ihrer Zeit stand, nun erstmals eine umfangreiche Ausstellung am Schnittpunkt von Kunst, Literatur und Ethnografie.

Bei der Ausstellung werden rund 350 Werke zu sehen sein, darunter zahlreiche Meisterwerke von Künstlern, die ihm nahestanden, etwa Joan Miró, André Masson, Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Wifredo Lam und Francis Bacon, sowie Objekte und Kunstwerke aus Afrika und von den Antillen und ein umfangreicher Korpus an Archivmaterial und Originaldokumenten (Manuskripte, Bücher, Filme, Musik). Ziel der Ausstellung ist es nicht nur, die zahlreichen Facetten der Persönlichkeit Michel Leiris, seiner Leidenschaften und Neigungen in den Blick zu nehmen, sondern auch den innovativen Charakter seines Werkes und die Aktualität seines Denkens in den Fokus zu rücken: Im Kontext von Globalisierung und postkolonialen Studien gilt Leiris heute als eine der bedeutendsten Referenzen überhaupt.

Sein Denken wird von Kindheit an durch Raymond Roussel geprägt. Nachdem er sich zunächst im Dunstkreis der Surrealisten bewegt, entfernt er sich später von der Bewegung und wird für die abtrünnige Zeitschrift Documents rund um Georges Bataille aktiv. Seine Identitätssuche führt ihn in die Ferne, weckt in ihm die Sehnsucht nach dem Andersartigen. Er nimmt als Archivar an der ersten französischen ethnografischen Exkursion in Afrika, der „Mission Dakar-Djibouti“ (1931–1933), teil, wo er sich mit den Methoden der Ethnografie vertraut macht. Auf dieser Reise verfasst er sein Buch L’Afrique fantôme [auf Deutsch erschienen unter dem Titel Phantom Afrika], das gleichzeitig ethnologisches Logbuch und persönliches Journal ist. Nach dem Krieg bereist er gemeinsam mit Alfred Metraux die Antillen, wo der Schweizer Anthropologe ihn erstmals mit dem Voodookult bekannt macht. Weiterhin begeistert Leiris sich nicht nur für den Stierkampf, sondern ebenso für Jazz, Oper und Theater, die er als „Territorien der Wahrheit“ betrachtet. Nach seiner beruflichen Etablierung als Ethnograf gibt er als Afrikanist am Musée de l’Homme den Anstoß für das erste Werk über bildende Kunst in Schwarzafrika [Création plastique de l’Afrique noire].

Sein literarisches Werk macht ihn zu einem der innovativsten Autoren des vergangenen Jahrhunderts: Als Verfasser des Romans L’Âge d’homme [auf Deutsch erschienen unter dem Titel Mannesalter] und des vierbändigen Werkes La Règle du Jeu [auf Deutsch Die Spielregel] revolutionierte Leiris das Genre der Autobiografie.

Als experimentierfreudiger Dichter und leidenschaftlicher Sprachakrobat fordert er auch für die Literatur eine Ästhetik des Risikos (in seinem Essay „De la littérature considérée comme une tauromachie“, dt. „Literatur als Stierkampf“). Antikolonialist und Antirassist der ersten Stunde und streitbare öffentliche Figur, bleibt er dessen ungeachtet vor allem stets der einsame Schriftsteller. Michel Leiris lässt sich nicht einordnen: Er war eine ebenso vielschichtige wie widersprüchliche Persönlichkeit, deren Modernität sich heute deutlicher offenbart denn je.

Anlässlich der Ausstellung erscheint ein gemeinsam von Centre Pompidou-Metz und Verlagshaus Gallimard herausgegebener Katalog. Voraussichtliches Erscheinungsdatum: April 2015.

Am 10. und 11. September 2015 findet in Metz und Paris ein in Zusammenarbeit mit dem Musée du Quai Branly organisiertes Kolloquium statt.

Die Ausstellung Michel Leiris ist ein Partnerprojekt mit der Bibliothèque littéraire Jacques Doucet.

KuratorInnen:
Agnès de la Beaumelle, ehemalige Chefkonservatorin, Centre Pompidou
Marie-Laure Bernadac, ehemalige Generalkonservatorin, Musée du Louvre
Denis Hollier, Professor für Literatur, französische Abteilung der New York University
Wissenschaftliche Beratung: Jean Jamin

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