Le Musée sentimental d’Eva Aeppli

AusstellungenLe Musée sentimental d’Eva Aeppli

Vom 7. Mai bis zum 14. November 2022

Wo?: Galerie 1
Was?: Ausstellungen
Publikum: Alle Altersklassen

Diese erste Eva Aeppli gewidmete Retrospektive in Frankreich lädt dazu ein, die Entstehung ihres genähten Werks zu entdecken, in dem der Höhepunkt ihrer Kunst zum Ausdruck kommt. In ihrem "Musée sentimental", ähnlich dem von Daniel Spoerri 1977 im Centre Pompidou ausgerichteten, treten ihre Werke in einen Dialog mit denen ihres engsten Kreises, ihrer fantasievollen Einflüsse wie auch ihrer Nachfolger. So begegnet man hier den Kreationen von Jean Tinguely, Niki de Saint Phalle, Louise Bourgeois, Annette Messager und Sarah Lucas, was unterstreicht, wie sehr die Kunst der Schweizer Bildhauerin noch immer einen spürbaren Einfluss auf die zeitgenössische Szene ausübt. Jede ihrer Textilfiguren, die durch ihre stillen Schreie, ihre klaren, aber dennoch ausdrucksstarken Gesichtszüge und ihre von Nähten gezeichneten Narben ergreifen, überflutet den Betrachter mit ambivalenten Gefühlen und lässt ihn nicht unberührt. Der von Jean Kalman inszenierte Rundgang ist ein Echo der Dualitäten, die das Werk und das Leben der Künstlerin durchziehen.

 

Die zahlreichen von Eva Aeppli verteilten Visitenkarten – auf denen sie sich als "Wouziund Wouzi-Wouzi-Beraterin", "Philosophin", "Lebenslehrerin" oder auch als "Akrobatin zwischen Himmel und Erde" vorstellt – offenbaren den singulären Geist dieser noch unbekannten Künstlerin.

Eva Aeppli wurde 1925 in Zofingen in der Schweiz geboren und wuchs in Basel auf, wo sie in der Schule von Rudolf Steiner anthroposophisch unterrichtet wurde. Die Zeit des Zweiten Weltkriegs prägte die junge Künstlerin nachhaltig. Unter dem Einfluss ihres Vaters verfolgte sie voller Angst den Vormarsch der Nazis in ganz Europa.

Aus diesem Trauma erwuchs Eva Aepplis unerschütterliches Engagement, das sie 1968 mit einer Installation zu Ehren von Amnesty International und später mit der Gründung ihrer eigenen Stiftung (Myrrahkir Foundation in Omaha) zur Bekämpfung von Unterdrückung, Armut und Unwissenheit zum Ausdruck brachte. Der Mensch, die Universalität des menschlichen Daseins, bildet somit unermüdlich den gemeinsamen Nenner jedes ihrer Werke.

Aeppli ließ sich ab 1952 endgültig in Frankreich nieder und teilte sich zunächst mit ihrem Mann Jean Tinguely ein Atelier in der Impasse Ronsin, wo Constantin Brâncuşi zu dieser Zeit lebte. Ihre Freundschaften in Paris – mit Daniel Spoerri, Jean Tinguely, Niki de Saint Phalle, Jean Pierre Raynaud und Pontus Hultén – hielt sie in den Livres de vie fest, in denen sie zwischen 1954 und 2002 Fotografien ihrer Werke, die Korrespondenz mit ihrem Umfeld und die künstlerischen Projekte ihrer Freunde sammelte. In diesen Notizbüchern zeichnet sich die komplexe Welt von Eva Aeppli ab, die sich sowohl aus der Einsamkeit als auch aus dem Dialog mit ihrem engen Freundeskreis speist, mit dem sie punktuell künstlerische Kooperationen eingeht.

Sie war mit der Pariser Kunstwelt verbunden, lehnte es aber ab, sich einer der damals in Mode gekommenen Bewegungen anzuschließen, und schuf zu einer Zeit, als der Nouveau Réalisme, die Pop Art und die lyrische Abstraktion triumphierten, einen zutiefst eigenständigen Korpus. Während die ersten Selbstporträts in Form von Kohlezeichnungen die persönlichen Gefühle der Künstlerin zum Ausdruck brachten, entfalteten sich die Emotionen, die die Außenwelt in ihr auslöste, später in großen Ölgemälden. Die von der Künstlerin als wahre "Erweiterungen ihrer Gemälde" beschriebenen ersten Textilfiguren, die in den 1960er Jahren entstanden, folgten auf die Leinwände. Die menschengroßen Textilskulpturen wurden später zu großen Installationen zusammengefasst, darunter La Table, die Groupe de 13 und die Groupe de 48, die in der Ausstellung zu sehen sein werden.

1976 wurden ihre Skulpturen im Schweizer Pavillon auf der Biennale von Venedig und in der Pariser ARC geehrt. Abgesehen von der institutionellen Anerkennung markiert dieses Jahr auch einen entscheidenden Wendepunkt in der Karriere der Künstlerin, die künftig auf den Körper verzichtet und sich ausschließlich auf die Gesichter und Hände ihrer Skulpturen konzentriert. Die Zyklen der Köpfe – Les Planètes (1975-1976), Les Signes du Zodiaque (1979-1980) und Quelques Faiblesses humaines (1993-1994) –, die aus Seide gefertigt und dann in Bronze gegossen wurden, zeigen schließlich Aepplis feine Beobachtung der menschlichen Physiognomie und ihre Leidenschaft für die Vielfalt der menschlichen Charaktere.

Kuratoren: Chiara Parisi und Anne Horvath

 

Mit der Unterstützung der Schweizer Botschaft in Frankreich und des Schweizer Generalkonsulats in Straßburg.
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In Medienpartnerschaft mit

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Die Publikation ist die erste Monografie der Künstlerin auf Französisch und umfasst drei Essays von Chiara Parisi, Marie-Louise von Plessen und Marie-Laure Bernadac sowie eine reich illustrierte Biografie von Anne Horvath und einen Manifestbrief der Künstlerin (bisher nicht auf Französisch veröffentlicht). Das Werkverzeichnis lädt den Leser ein, Eva Aepplis Werdegang und ihr zeitloses und vielseitiges Werk chronologisch zu entdecken, von den ersten Handmarionetten bis hin zu ihren Skulpturen in Menschengröße oder ihren in Bronze gegossenen Köpfen.

LE MUSÉE SENTIMENTAL D’EVA AEPPLI
UNTER DER LEITUNG VON
CHIARA PARISI UND ANNE HORVATH

ÉDITIONS DU CENTRE POMPIDOU-METZ
24 x 32 CM
VERÖFFENTLICHUNG: MAI 2022
ETWA 208 SEITEN

ISBN : 978-2-35983-068-2