Jean-Luc Vilmouth, Café Little Boy, 2002

AusstellungenJean-Luc Vilmouth, Café Little Boy, 2002

Vom 16. Juni 2018 bis 7. Januar 2019

Wo?: Galerie 1
Was?: Ausstellungen
Discipline : Installation
Publikum: Alle Altersklassen
Author : Jean-Luc Vilmouth

Nach dem Dialog mit den Ausstellungen Sublime. Les tremblements du monde (Sublim. Die Erschütterungen der Welt) und Jardin infini. De Giverny à l’Amazonie (Der unendliche Garten. Von Giverny bis Amazonien) spiegelt das Werk von Jean-Luc Vilmouth die Saison Japonaise (den japanische Zyklus) wider: eine freie Trilogie, drei Aufführungen einer Reise, die uns soweit wie möglich zum Kern des Menschlichen führt. Wir stehen an der Schwelle dieser „Grenzen der Erfahrungen, dieser Bedingungen der emotionalen Passagen und der Art, mit der Umwelt in Kontakt zu sein“, die der Künstler, um seine Worte zu gebrauchen, als Intensivierung und Steigerung unserer Wahrnehmung der Realität kreiert.

Sein gesamtes Werk hinterfragt die Modalitäten der Koexistenz des Menschen mit seiner Umwelt in einem permanenten Dialog, der, wenn auch abgeschwächt, in Momenten tiefer Brüche aufrechterhalten wird. Das Werk von Jean-Luc Vilmouth „rematerialisiert unsere Zugehörigkeit zur Welt“, so Bruno Latour, sie bringt den Menschen zurück in sein wenn auch zerstörtes oder bedrohtes Ökosystem, was sein Film Lunch Time und sein Environment Jungle Science auf sensible Art verdeutlichen.

Das ästhetische Anliegen von Jean-Luc Vilmouth, mit Momenten der „Aussetzung, des Verschwindens und effektiven Wiederauftauchens der Wirklichkeit“, so Paul Virilio in Ästhetik des Verschwindens, zeigt sich erneut in Café Little Boy, 2002: ein offener Raum für Reflexion, Kommunikation und Austausch. Dieses fragile Denkmal der Erinnerung trägt den Namen des Codes jener Atombombe, die am 6. August 1945 auf die Stadt Hiroshima abgeworfen wurde. Die Saison Japonaise (den japanischen Zyklus) abschließend, mit den Ausstellungen Japan-ness und Japanorama, die der Architektur und der zeitgenössischen japanischen Kunst gewidmet sind und den Metabolismus des Archipels untersuchen, der vom ewigen Rhythmus von Zerstörung und Neuerfindung der Schöpfung durchdrungen ist, zeigt sich Café Little Boy als grüne Bildfläche, an der die Fotos von der Tafel der Fukuromachi-Schule aufgehängt sind, auf der die Überlebenden der Atomexplosion Nachrichten hinterließen, um zu versuchen, Familienangehörige wiederzufinden. Somit eine Auffoderung, gemeinsam ein Erinnerungswerk zu schaffen, in dem die Gegenwart mit den Gespenstern der Vergangenheit einen Dialog führt. „Raum = leer + ma. Das Wort ma bezeichnete ursprünglich den Raum zwischen den Dingen, die nebeneinander existieren; heute versteht man darunter eine Lücke zwischen den Dingen, einen Riss.“

Mit Café Little Boy webt Jean-Luc Vilmouth Emotionen, Eindrücke, und aktiviert eine in Bewegung gesetzte Erinnerung. Diese kollektive Poesie interferiert in den unsichtbaren Spalten unserer Identitäten, qualifiziert diese Leere und macht sie bedeutungsvoll.