Die Oper als Welt<br>Die Suche nach einem Gesamtkunstwerk

AusstellungenDie Oper als Welt
Die Suche nach einem Gesamtkunstwerk

Von 22. Juni 2019 bis 27. Januar 2020

Wo?: Centre Pompidou-Metz , Galerie 3
Was?: Ausstellungen
Publikum: Alle Altersklassen

„Es geht nicht darum, erneut eine von Hierarchien geprägte Oper zu komponieren, sondern vielmehr darum, ein freiheitserzeugendes Instrument anzufertigen.“
Pascal Dusapin, à propos de To Be Sung, Arles-Caen, Actes Sud - Théâtre de Caen, 1994, p.20.

Die Oper als Welt beleuchtet die Begegnung zwischen bildender Kunst und dem Operngenre im 20. und 21. Jahrhundert. Weit davon entfernt, lediglich von Künstlern geschaffene Szenografien zu zeigen, möchte die Ausstellung in Anlehnung an das Wagnersche Gesamtkunstwerk – oder in einem Spannungsverhältnis dazu – deutlich machen, wie bildende Kunst und Oper sich gegenseitig nährten und bisweilen auch radikal beeinflusst haben. In diesem ständigen Austausch bietet die Oper den Nährboden für Experimente und fungiert als Auslöser für neues ästhetisches und politisches Empfinden.

Die Oper wird aus mehreren Gründen zum Ausstellungsthema. Vom Mythos der „letzten Oper“ kann keine Rede mehr sein. „Sprengt die Opernhäuser in die Luft“, forderte Pierre Boulez 1967. Das vernichtende Urteil schien unwiderruflich gesprochen. Und doch ist festzustellen, dass über das ganze 20. Jahrhundert und besonders in den letzten Jahrzehnten bedeutende und bemerkenswerte Kreationen entstanden sind. Die damals kritisierte Spektakularisierung hatte auch die anderen künstlerischen Ausdrucksformen mehr als nur gestreift. Der Oper, Ort des Spektakulären, bot sich infolgedessen die Möglichkeit, diese die zeitgenössische Kunst nach Jahren des verstärkt Konzeptuellen immer weiter durchdringende Theatralität aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.

Die Bild und Ton vereinende Ausstellung zeigt neben imposanten Installationen und neuen Werken Modelle, Kostüme und bühnenbildnerische Elemente und führt vor Augen, dass die Oper gleichermaßen Entstehungsort von gemeinsamen künstlerischen Vorstellungen und ein Symbol der Freiheit ist. Von den Bühnenexperimenten der frühen Avantgarde – man denke an Die glückliche Hand (1910-1913) von Arnold Schönberg, an die zu einem festen Bestandteil des Programms großer Häuser gewordenen Noten von Saint François d’Assise (1983) von Olivier Messiaen – bis hin zu so experimentellen, prägenden Formen wie Einstein on the Beach (1976) von Philip Glass und Bob Wilson, zeichnet Die Oper als Welt ein anderes Bild der Interdisziplinarität.

Die Ausstellung mit ihren unterschiedlichen thematischen Bereichen, die von der Bühne als bewegtes Gemälde bis zu radikaleren politischen, manchmal utopischen Formen und neuen Orten der Oper reichen, ohne dabei Märchen und das Sagenhaften auszulassen, konzentriert sich im Wesentlichen auf eine Auswahl von Kreationen, die sinnbildlich sind für die fruchtbare Verbindung zwischen Bühne und Künstler. Auch einige große Klassiker wie Norma oder Die Zauberflöte sind Teil der Ausstellung und zeigen, wie ein unerschrocken gehandhabtes Repertoire der Grenzüberschreitung und dem Wandel diente und dem Genre gleichzeitig das Überleben sicherte.

Nicht zuletzt stellt die Ausstellung die Frage, inwieweit eine Ausstellung die sensorische Kraft und betörende Wirkung der Oper nachzubilden in der Lage ist. Eine weitreichende Reaktivierung einiger Kreationen der Vergangenheit und mehrere Aufträge an zeitgenössische Künstler zeigen die Leidenschaft, die das Genre bis heute auszulösen vermag, und lassen die Besucher den einzigartigen Zaubers des lyrischen Schauspiels erleben.

Als Weiterführung der Überlegungen zu den engen Verbindungen zwischen Schauspiel und bildender Kunst von Bill Viola, Romeo Castellucci oder Clément Cogitore, um nur einige zu nennen, und nach den vorangegangenen Ausstellungen wie Musicircus und Oskar Schlemmer. Der Tänzermensch, hinterfragt die Ausstellung Die Oper als Welt die Theatralität, die die moderne und zeitgenössische Kunst belebt. Verstärkt wird diese Resonanz durch die Tatsache, dass die Ausstellung im Rahmen der Feierlichkeiten zum 350 jährigen Jubiläum der Pariser Oper stattfindet, der Wiege der innovativen künstlerischen Ausdrucksformen.

 

Kurator: Stéphane Ghislain Roussel
Recherchen und Ausstellungskoordination: Anne Horvath

 

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Die Ausstellung Die Oper als Welt findet in Resonanz mit den Feierlichkeiten zum 350-jährigen Bestehen der Pariser Oper statt.

Die Bühnen- und Kostümbildnerin Małgorzata Szczęśniak (Jahrgang 1954), die seit vielen Jahren mit dem Theaterregisseur Krzysztof Warlikowski zusammenarbeitet, entwickelt ein Werk, das sich in keiner Weise dem Konformismus einiger Theatertraditionen beugt. Ihre Arbeit, die insbesondere an ihrer Architektur und der Wirkung des verwendeten Materials erkennbar ist, hinterfragt das Expressionspotenzial der Bühne durch eine Erforschung der Symbolkraft des Ortes und der Transformation des Realen und schwankt zwischen funkelnder Schlichtheit und einer modernen Form der barocken Lebensfreude. Unter Ablehnung jeglicher Form des Illustrativen bedient sie sich von der bildendenden Kunst bis hin zum Kino einer Vielzahl unterschiedlicher Inspirationsquellen und lässt die Szenografie zu einem Dreh- und Angelpunkt der Dramaturgie werden.

Auf Einladung des Kurators und in engem Austausch mit dem künstlerischen Team, schuf die polnische Künstlerin die Szenografie der Ausstellung. Das von ihr vorgeschlagene Labyrinth überspannt die Galerie gleich einer Metapher für den zugleich sensorischen und dramaturgischen Verlauf der Ausstellung, die selbst als Oper mit Akten, Szenen und Sinnesempfindungen erdacht wurde. Entlang dieses Wegs, der so viele Antworten wie Anregungen zur Entdeckungen birgt, ermöglicht das Umhergehen eine echte Rhythmik, die Überraschungen, Augenblicke des Innehaltens, größere Räume der Kontemplation auslöst. Symbolisch gesehen beschwört die labyrinthische Form Erzählungen wie die von Ariane oder Orpheus – mythische, die Geschichte der Oper begründende und grenzenlose Leidenschaft in sich tragende Figuren – herauf, und nicht zuletzt stellt diese von einer einheitlichen und globalisierenden Sicht weit entfernte Architektur den vielgestaltigen Reichtum der Nationen, der Geschichten und der Träume in den Vordergrund, die das Operngenre als Spiegel der Welt birgt.

Couverture Catalogue Opéra Monde

Katalog der Ausstellung Die Oper als Welt. Die Suche nach einem Gesamtkunstwerk, unter der Leitung von Kurator Stéphane Ghislain Roussel, zeigt – von Wagner bis in unsere Zeit – ein ambitioniertes Panorama der Beziehung zwischen dem lyrischen Genre und der bildenden Kunst. Das reich bebilderte Nachschlagewerk geht den vielen Facetten dieser Verbindung in Form von über fünfzig bedeutenden Werken auf den Grund. Es vereint rund dreißig Spezialisten, die in unveröffentlichten Essays und Interviews, die durch ein umfangreiches wissenschaftliches Korpus ergänzt werden, die ästhetischen und politischen Fragen der Oper und das Ideal eines Gesamtkunstwerks analysieren.

Katalog des Ausstellung
Sammelband unter der Leitung von Stéphane Ghislain Roussel
Herausgeber : Centre Pompidou-Metz, in Koedition mit RMN
Gebunden, 320 S., Format 22 x 28 cm
Sprache : Französisch
Erscheinungsdatum: 19. Juni 2019
ISBN : 978-2-7118-7439-2

Mit Unterstützung des Moselabtellung:

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Gründungsmäzen:

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