1917

Ausstellungen1917

26. Mai bis 24. September 2012

Wo?: Galerie 1 , Grande Nef
Was?: Ausstellungen
Öffentliche Preis: 7€ (tarif unique)
Publikum: Alle Altersklassen

Die Ausstellung „1917“ geht der Frage nach, was künstlerisches Schaffen in Zeiten des Krieges bedeutet. Ausgangspunkt ist dabei das „unmögliche Jahr“  1917, im Verlaufe dessen sich die Welt in einen ebenso verheerenden wie ausweglosen Konflikt manövrierte. Im Rahmen dieser Ausstellung ist Picassos Bühnenvorhang für das Ballett „Parade” - eines der monumentalsten Werke des Künstlers - zum ersten Mal seit über 20 Jahren in Frankreich zu sehen.

¹Jean-Jacques Becker, 1917 en Europe : l'année impossible [1917 in Europa : Das unmögliche Jahr], Brüssel, Éditions Complexe, 1997










































Die vielseitige und multidisziplinäre Ausstellung ist eine Momentaufnahme aller Bereiche des kreativen Schaffens des Kriegsjahres 1917. Zentral ist die Auseinandersetzung mit der Frage, welche Bedeutung ein so kurzer und fest umrissener Zeitraum wie ein Jahr für die Kunstproduktion hat, wobei gleichzeitig Erwartungen und Vorurteile darüber, was Kunst in Kriegszeiten sein kann, durchkreuzt werden.

Wie vielfältig die kulturelle Produktion des Jahres 1917 war, macht die Ausstellung einerseits deutlich, indem sie aufzeigt, wie unterschiedlich die Positionen der Kunstschaffenden im Verhältnis zur Front waren, andererseits durch die so unterschiedlichen Typen von Kunstwerken, die sie umfasst. So finden sich an der Seite bedeutender Künstler, deren Werke mehr oder weniger unmittelbar durch die Kriegsereignisse inspiriert wurden, Arbeiten von Laien, die das Bedürfnis verspürten, mit kreativen Mitteln auf die Auswirkungen des Krieges zu reagieren. Zu nennen ist etwa die Grabenkunst mit ihren aus Waffen- und Granatenteilen gefertigten Werken, die einen der Höhepunkte der Ausstellung ausmachen. Nicht zu vergessen außerdem jene Künstler, die an die Front geschickt wurden, um die Ereignisse zu dokumentieren und mit ihren Bildern Bericht über den Konflikt zu erstatten, sowie all die Menschen, die als Augenzeugen mit ihren Werken die Erinnerung an den Krieg für die Nachwelt bewahrt haben.

 

Im Rahmen der Ausstellung sind Werke aus öffentlichen und privaten sowie Kunst- und Militärsammlungen aus Frankreich und aller Welt zu sehen. Einen besonderen Platz nehmen dabei die Leihgaben des Centre Pompidou, Musée national d’art moderne, in Paris ein, darunter auch der Bühnenvorhang für das Ballett Parade von Pablo Picasso. Darüber hinaus ist sie Anlass zahlreicher Partnerschaften, unter anderem mit der Bibliothèque de documentation internationale contemporaine in Nanterre, dem Musée de l’Armée in Paris, dem Musée du service de santé des armées in Paris, dem Historial de la Grande Guerre in Péronne und dem Imperial War Museum in London.

Die Ausstellung 1917 bildet den Auftakt für eine ganze Reihe von Kulturveranstaltungen, mit denen man in Frankreich des Beginns des Ersten Weltkrieges im Jahr 1914 gedenkt, und wird durch das französische Verteidigungsministerium, namentlich die Mission du centenaire de la Première Guerre mondiale 1914–2014, gefördert.

Parallel zur Ausstellung findet im September 2012 ein Symposium statt.

Begleitet wird die Ausstellung von einem umfangreichen Rahmenprogramm mit Filmen, Vorträgen und Performances.

Kuratoren:
Claire Garnier, Centre Pompidou-Metz

Laurent Le Bon, Centre Pompidou-Metz
 
 

 




Glanzpunkt der Ausstellung 1917: Picassos monumentaler Bühnenvorhang für das Ballett Parade

Picassos Bühnenvorhang für das Ballett Parade war eine Auftragsarbeit für Sergei Djagilew, den Direktor der Ballets russes. Das von Erik Satie vertonte Stück nach einem Thema von Jean Cocteau gilt als erste Zusammenarbeit zwischen Avantgarde-Künstlern verschiedener Disziplinen. Im Vorwort zum Programmheft schrieb Guillaume Apollinaire, das Publikum erwarte „zum ersten Mal ein Zusammenspiel von Malerei und Tanz, Bildhauerei und Schauspiel, das vom Erwachen einer umfassenderen Kunst kündet“. Das Stück wurde am 18. Mai 1917 im Théâtre du Châtelet uraufgeführt und sorgte seinerzeit für einen beachtlichen Skandal und heftige Diskussionen in der Pariser Avantgarde-Szene.

 

Bei dem Bühnenvorhang für das Stück handelt es sich um Picassos größtes Werk überhaupt. Die riesige Leinwand ist 10,50 x 16,40 m und damit über 170 m² groß und wiegt 45 kg. In Frankreich war das Werk seit mehr als zwanzig Jahren nicht mehr zu sehen. Mit ihrer geheimnisvollen Bildsprache und ihrem autobiografischen Charakter, der durch die Bezüge zu Picassos Rosa Periode besonders deutlich wird, gilt die Arbeit als eines der bedeutendsten Meisterwerke in den Sammlungen des Centre Pompidou, Musée national d’art moderne, in Paris. Thema des Stücks ist das Leben einer Gauklertruppe, die verzweifelt versucht, berühmt zu werden. So zeigt der Bühnenvorhang unter anderem poetische Darstellungen von Harlekinen, Schaustellern und einer Fee …

Im ersten Teil der in zwei Sektionen konzipierten Ausstellung geht es in Galerie 1 um Fragen der – physischen und psychischen – Distanz der Künstler zum Kriegsgeschehen. Gleichzeitig offenbart sich hier die Vielfältigkeit der kulturellen Aktivitäten im Kriegsjahr 1917. In der Grande Nef, dem zweiten Teil der Ausstellung, werden Querverbindungen zwischen Zerstörung, Rekonstruktion und kreativem Schaffen ausgelotet. Ein besonderer Akzent liegt hier auf der Welt des Theaters, und man begegnet mit Picassos monumentalem Bühnenvorhang für das Ballett Parade einem der Höhepunkte der Ausstellung. 

GALERIE 1

"Wie sollte man den aktuellen Krieg nennen? – Zunächst hat man ihn 'Krieg von 1914' genannt, dann, als er 1915 weiter andauerte, sprach man vom 'europäischen Krieg', und als die Amerikaner in den Konflikt eingriffen, vom 'Weltkrieg' oder, was es besser trifft, vom 'universellen Krieg'. Auch die Bezeichnung 'großer Krieg' hat ihre Befürworter. Vielleicht könnte man sich auch auf 'Krieg der Nationen' einigen. 'Der Krieg der Rassen' wäre auch zu vertreten. [...] Doch was den Charakter dieser gigantischen Schlacht wohl am besten beschriebt, ist die Bezeichnung 'Frontenkrieg'."

Mercure, « Échos – Revue de la quinzaine »,
Mercure de France, Paris, 1. November 1917,
Band 124, Nr. 465, S. 187

1917 - Plan Galerie 1Der Rundgang durch den ersten Teil der Ausstellung entwickelt sich ausgehend vom Zentrum des Konflikts in Richtung geografischer oder auch symbolischer Fluchtpunkte und illustriert so, wie unterschiedlich die internationale Kunstszene auf die Ereignisse des Jahres 1917 reagierte. Aus der Vielzahl der hier aufgezeigten individuellen Werdegänge entwickelt sich so ein kartografischer Überblick über die Kunstproduktion des Jahres 1917, wobei sich ganz unterschiedliche Künstlertypen identifizieren lassen: die großen Meister des 19. Jahrhunderts, Vertreter der diversen Avantgarden, Künstler, die den Konflikt auf offizieller Frontmission dokumentierten, berühmte und Laien-Künstler als Soldaten, Kunstschaffende aller Nationalitäten. Die Struktur dieses Ausstellungsbereichs entwickelt sich entlang immer wieder auftauchender Themen, Motive und Praktiken in jener bewegten Zeit. Sie nimmt Nischen, die das kulturelle Leben sich schuf, ebenso in den Blick wie die sich formierenden Avantgardebewegungen, zeigt auf, wie bestimmte Künstler mit Rückzug oder Distanzierung auf den Konflikt reagierten. Ergänzend illustriert ein umfangreicher Korpus an dokumentarischem Material, welch zentrale Bedeutung Schrift und Bild in der damaligen Zeit hatten.

 

GRANDE NEF

"Der Krieg ist nicht nur zerstörerisch, sondern auch befruchtend. Er hat Berufungen bestimmt."

Übersetzung nach: Clément-Janin,"Les Estampes
et la guerre", Gazette des Beaux-Arts,
Paris, Oktober–Dezember 1917

1917 - Plan der Grande Nef

Die zweite Ausstellungssektion ist in Form einer Spirale angelegt, eines immer wiederkehrenden geometrischen Motivs des Jahres 1917, das den Strudel der Ereignisse ebenso widerspiegelt wie die psychische Orientierungslosigkeit der Zeit. Im Zentrum der Betrachtung stehen hier Verbindungen zwischen kreativem Schaffen einerseits und Zerstörung und Wiederherstellung andererseits. Der Krieg macht vor Seele, Körper und Antlitz, vor Landschaft und Architektur nicht halt. Angesichts der Allgegenwärtigkeit von Tod und Verwundung wird die Frage des Schutzes zum zentralen Thema. So tauchen beim Rundgang durch diesen Ausstellungsabschnitt immer wieder Tarnvorrichtungen oder Masken in ihren diversen Erscheinungsformen als militärische, primitive oder Totenmaske auf. Verkleidungen und Maskierungen spielen auch in der Welt des Theaters – ob an der Front oder im Hinterland – eine wichtige Rolle. Sie sind hier Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit dem kriegsbedingten Verwirrspiel der Geschlechter sowie den daraus resultierenden gesellschaftlichen Umwälzungen. Verschiedene maskierte Harlekinfiguren führen schließlich zu Picassos monumentalem Bühnenvorhang für das Ballett Parade, dem Prunkstück der Ausstellung.

Überdies wird im Rahmen von 1917 auch das Forum des Ausstellungsortes bespielt. Den überraschenden und für eine Institution wie das Centre Pompidou-Metz ungewöhnlichen Einstieg in die Ausstellung bildet ein Ensemble schweren Kriegsgeräts, das den Besucher gleich zu Beginn mit einer der Wirklichkeiten des Jahres 1917 konfrontiert.

 

Die Ausstellung 1917 ist eine Produktion des Centre Pompidou-Metz.
Als Schwesterinstitution des Centre Pompidou in Paris ist das Centre Pompidou-Metz Ergebnis der ersten Dezentralisierung einer staatlichen Kultureinrichtung in Kooperation mit einer Gebietskörperschaft, dem Gemeindeverbund Communauté d’Agglomération de Metz Métropole.
Das Centre Pompidou-Metz ist eine öffentliche Institution, die aus einer Kulturpartnerschaft hervorgeht (Établissement Public de Coopération Culturelle – EPCC). Gründungsmitglieder sind der Staat, das Centre Pompidou, die Region Lothringen, der Gemeindeverbund Metz Métropole und die Stadt Metz.
Das Centre Pompidou-Metz wird unterstützt vom Wendel-Konzern, seinem Gründungsmäzen.

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Die Realisierung der Ausstellung 1917 erfolgt mit Unterstützung der Caisse d’épargne Lorraine Champagne-Ardenne sowie des Fördervereins der Freunde des Centre Pompidou-Metz.

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Die Ausstellung 1917 wird unterstützt vom französischen Verteidigungsministerium – ministère de la Défense et des Anciens combattants, secrétariat général pour l’administration, Direction de la mémoire, du patrimoine et des archives.

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Die Realisierung der Ausstellung 1917 erfolgt in Partnerschaft mit der Bibliothèque de documentation internationale contemporaine (BDIC), Nanterre, dem Établissement de communication et de production audiovisuelle de la défense (ECPAD) und dem Musée de l’Armée.

Logo BDIC   Logo Université Paris Ouest   Logo ECPAD  Logo Musée de l'Armée

Die Ausstellung 1917 erhält eine Förderung der Zone de soutien de Metz.

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Die Ausstellung 1917 bildet den Auftakt für eine ganze Reihe von Kulturveranstaltungen, mit denen man in Frankreich dem Beginn des Ersten Weltkrieges gedenkt. Sie wird unterstützt von der Mission du centenaire de la Première Guerre mondiale 1914-2014.

Die Ausstellung wird gefördert durch die Cinémathèque Robert-Lynen, der Stadt Paris.


Medienpartner:

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Der Katalog 1917 ist der sechste vom Centre Pompidou- Metz herausgegebene Ausstellungskatalog.

Das rund 600 Seiten starke, mit 1070 Abbildungen illustrierte Werk bietet Möglichkeiten der ergänzenden Auseinandersetzung mit dem Ausstellungsthema. Während der Ausstellungsaufbau gänzlich thematisch strukturiert ist, umfasst der Katalog verschiedene allgemeine Essays, ein Lexikon sowie eine chronologische Übersicht über das Jahr 1917.

Im ersten Teil finden sich drei von GeschichtswissenschaftlerInnen und KunsthistorikerInnen verfasste Essays, die dem Leser einen allgemeinen Überblick über das Jahr 1917 verschaffen. Der zweite Teil des Werks ist konzipiert als Lexikon des Jahres 1917. Rund 225 kurze thematische oder biografische Einträge geben Auskunft über Persönlichkeiten, Ereignisse, Orte, Disziplinen sowie kulturelle und künstlerische Fragen und Alltagsprobleme, die das Jahr 1917 grundlegend prägten. In diesem Abschnitt finden sich zahlreiche Abbildungen der in der Ausstellung präsentierten Werke und Dokumente.

 

Beim letzten Abschnitt schließlich handelt es sich um eine Chronik des Jahres 1917 in der seinerzeit populären Form des Almanachs, dem zwei kurze Aufsätze zur Frage der Bildinterpretation vorangestellt sind. Jede Seite besteht aus einem Kalenderblatt mit einer Chronologie der militärischen, diplomatischen und politischen Tagesereignisse und ist illustriert mit 1917 veröffentlichten Dokumenten (Plakate, Zeitungen usw.).

Der Einband des Katalogs ist – ebenso wie die gesamte graphische Identität der Ausstellung 1917 – inspiriert durch das Tarnmotiv der Texas, eines während des Ersten Weltkriegs beschlagnahmten Frachtschiffes.

Herausgeber
Claire Garnier
Laurent Le Bon

Redaktion
Camille Aguignier
Claire Bonnevie
Clémentine de La Feronnière

Koordination und Recherche für den Almanach
Carole Benaiteau in Zusammenarbeit mit Ada Ackerman

Grafische Konzeption und Satz
P&J, Laurent Pinon et Aurore Jannin in Zusammenarbeit mit Betty Deléon

Lektorat
Laurence Peydro

Übersetzungen
Ada Ackerman (Russisch)
Sonia Goldblum (Deutsch)
Marc Phéline (Englisch)
Renaud Temperini (Italienisch)

Herstellung
Dominique Oukkal

 Catalogue 1917Éditions du Centre Pompidou-Metz, Metz, 2012
ISBN : 978-2-35983-019-4
Hinterlegung der Pflichtexemplare: mai 2012
Fotoreproduktion: IGS-CP, L’Isle d’Espagnac
Gedruckt in Luxemburg
Preis: 49,90 €