Sol LeWitt Werk und Werdegang

Sol LeWitt (1928–2007) wurde in Hartford im USamerikanischen Bundesstaat Connecticut geboren. Er studierte Kunst an der Universität Syracuse im USBundesstaat New York und an der Cartoonist and Illustrator School (heute School of Visual Arts) in New York City. Er arbeitete als Grafiker im Architekturbüro von I.M. Pei sowie als Nachtportier im Museum of Modern Art, wo Künstler wie Robert Ryman, Dan Flavin und Robert Mangold und die Kunstkritikerin Lucy R. Lippard zu seinen Kollegen gehörten. LeWitt wurde zunächst der Minimal-Art-Szene zugerechnet, von der er sich jedoch distanzierte, um sich voll und ganz einem konzeptuellen künstlerischen Ansatz zu widmen. Der Künstler definierte die theoretischen Grundlagen seiner Kunst in zahlreichen Schriften, darunter auch die berühmten Aufsätze „Paragraphs on Conceptual Art“ (1967) sowie „Sentences on Conceptual Art“ (1969).

Die wall drawings, mit denen LeWitt 1968 im Alter von 40 Jahren begann, sind wohl seine berühmtesten Werke, doch sein Oeuvre umfasst außerdem noch dreidimensionale Werke (bekannt als „structures“ – Strukturen), Zeichnungen auf Papier, Fotoserien, Drucke und Künstlerbücher. So arbeitete der Künstler mit verschiedenen Medien, die er jedoch allesamt als Werkzeuge zur Erforschung seiner Denkprozesse einsetzte. Diese fließende Zusammenspiel der unterschiedlichen Medien führte auch zur Realisierung von LeWitts ersten Wandzeichnungen: Für das Xerox Book, eine Sammelpublikation verschiedener Künstler, schuf er ein System aus 24 Papierzeichnungen, die er im Anschluss direkt auf die Wände der Paula Cooper Gallery in New York aufbrachte. Dieses Werk mit dem Titel Wall Drawing #2, Drawing Series II (A) (24 drawings) ist im Centre Pompidou-Metz erneut zu sehen.

Seine erste Einzelausstellung hatte Sol LeWitt 1965 in der John Daniels Gallery in New York. Von da an wurde sein Werk in zahlreichen Ausstellungen in Galerien und Museum und bei internationalen Kunstereignissen gezeigt.

Übersetzungen der Texte von Sol LeWitt

„WANDZEICHNUNGEN MACHEN“, 1971 (DOING WALL DRAWINGS)
Der Künstler konzipiert und plant die Wandzeichnung.
Ausgeführt wird sie von Zeichnern (der Künstler kann als sein eigener Zeichner fungieren). Der Plan (geschrieben, gesprochen oder als Zeichnung) wird durch den Zeichner interpretiert.
Bei der Ausführung des Plans muss der Zeichner Entscheidungen treffen. Diese sind Teil des Plans. Jeder ist in seiner Art einzigartig, und darum wird auch jeder dieselbe Anweisung auf seine Art ausführen – und sie auch anders verstehen.
Der Künstler muss verschiedene Interpretationen seines Plans zulassen. Der Zeichner versucht, den Plan des Künstlers zu verstehen, und deutet ihn nach seinen eigenen Erfahrungen.
Der Beitrag des Zeichners ist für den Künstler nicht vorhersehbar, auch wenn der Künstler selbst die Ausführung der Zeichnung übernimmt. Selbst wenn ein und derselbe Zeichner denselben Entwurf zweimal ausführen würde, würden zwei unterschiedliche Kunstwerke entstehen. Niemand kann dasselbe zweimal machen.
Der Künstler und der Zeichner produzieren das Kunstwerk gemeinsam.
Jeder Mensch zeichnet eine Linie anders. Und jeder versteht Worte anders.
Weder Linien noch Worte sind Ideen. Sie dienen lediglich dazu, Ideen zu transportieren.
Die Wandzeichnung ist Kunst des Künstlers. Solange der Plan nicht verletzt wird. Wenn dies geschieht, wird der Zeichner zum Künstler, und die Zeichnung wäre sein Kunstwerk. Allerdings ein Kunstwerk, das das ursprüngliche Konzept parodiert.
Dem Zeichner können bei der Ausführung des Plans Fehler unterlaufen. Damit macht er den Plan nicht zunichte.
Alle Wandzeichnungen enthalten Fehler. Sie sind Teil des Werkes.
Der Plan besteht als Idee, muss jedoch in seine optimale Form gebracht werden. Bloße Ideen zu Wandzeichnungen sind ein Widerspruch zur Idee der Wandzeichnung.
Die fertige Wandzeichnung sollte immer zusammen mit dem detaillierten Plan gezeigt werden. Beide sind gleichwertig.
Erstmals auf Englisch veröffentlicht unter dem Titel „Doing Wall Drawings“ in: Art Now, Bd. 3, Nr. 2, New York, Juni 1971, o. S.
Première publication en français in Mise en pièces, mise en place, mise au point, cat. exp., Chalon-sur-Saône, Maison de la culture / Dijon, Le Coin du miroir, 1981, p. 54.
Textes traduits de l’anglais par Catherine Vasseur

© LeWitt Collection, Chester, Connecticut