Irrwege, Labyrinthische Variationen

AusstellungenIrrwege, Labyrinthische Variationen

Vom 12. September 2011 bis zum 5. März 2012

Wo?: Grande Nef
Was?: Ausstellungen
Öffentliche Preis: 7€ (tarif unique)
Publikum: Alle Altersklassen

Irrwege ist nach Meisterwerke? die zweite große Themenausstellung des Centre Pompidou-Metz.
Ausgehend vom Motiv des Labyrinths, kreist diese Gruppenausstellung um das Thema des Umherirrens, des Verlusts und des ziellosen Umherschweifens sowie deren Darstellungsformen in der zeitgenössischen Kunst.

In partnerschaft mit

Wendel Mécène fondateur

Die universelle, archaische Form des Labyrinths wird hier begriffen als Metapher für die sich über Um-, Ab- und Irrwege vollziehende Annäherung an ein Ziel. Das in allen Kulturen bekannte Motiv impliziert in seinen diversen Erscheinungsformen und spirituellen Konnotationen faszinierende Paradoxa: Organisation durch Chaos, Fortschritt durch Langsamkeit oder Rückschritt, konstruktiven Orientierungsverlust und produktive Verwirrung von Sinn und Wissen. Dieser Logik folgend, entwickelt sich auch die Ausstellung selbst in ihrer thematischen Organisation nach dem Prinzip des Orientierungsverlustes und folgt den Windungen und Vieldeutigkeiten ihres eigenen Sujets, das sie nicht nur beleuchtet, sondern in ihrer architektonischen, physischen und psychischen Dimension fassbar macht, indem sie Irrund Abwege im konkreten wie metaphorischen Sinne bietet. Vom Labyrinth als architektonische Konstruktion gelangt sie zu den Mäandern des Denkens, von der Darstellung des Chaos zur Großstadt als Ort der Orientierungslosigkeit, vom physischen Gefängnis zur malerischen Abstraktion als Stolperstein für Wahrnehmung und Verständnis.

Die Ausstellung ist in acht Kapitel gegliedert, die ihre Fragestellungen sowohl auf konzeptueller wie auch auf sinnlicher Ebene verhandeln. So bietet der Rundgang aufschlussreiche Informationen und Zerstreuung, weckt die Neugier und bewegt die Sinne.

Werke aus Malerei und Architektur, begehbare Arbeiten, Skulpturen und Filme, aber auch Pläne, Karten und archäologische Sammlungen und Objekte eröffnen vielfältige Einblicke in gleichermaßen faszinierende wie überraschende Universen und laden zu deren intensiver Erkundung ein.

Darüber hinaus spiegelt die Ausstellung ungeachtet ihrer historischen Bezugspunkte auch bestimmte zeitgenössische ästhetische, politische und intellektuelle Strömungen wider; nämlich ein Verständnis der Formen- und Ideengeschichte, das nicht auf einem strikt linearen Geschichtsmodell beruht und sich der Deutung von Geschichte als rein vorwärts gewandtem Prozess verweigert, sondern diese vielmehr als Vielzahl von Möglichkeiten begreift. Damit legt sie nicht eindeutig zuordenbare Bereiche frei und es ergeben sich Wahlmöglichkeiten und Querverbindungen für die Erfassung der Realität – mit all dem, was dieser Ansatz an abenteuerlicher Spekulation und Unsicherheit mit sich bringt.

Die Ausstellung nimmt zwei Ausstellungsbereiche des Centre Pompidou-Metz mit einer Gesamtfläche von über 2000 m² ein und versammelt Werke französischer und internationaler Künstler verschiedener Generationen sowie historische Arbeiten aus der Sammlung des Centre Pompidou, Musée national d’art moderne, und großen internationalen Sammlungen. Darüber hinaus werden verschiedene Auftragsarbeiten zu sehen sein.

Teil der Ausstellung ist außerdem ein von dem freien Kurator Jean de Loisy entwickeltes Rätselspiel mit dem Titel Le Labyrint*e en valise (*h) [Das Labyrinth im Koffer].


DIE AUSSTELLUNGSKURATOREN

Hélène Guenin
Leiterin der Programmabteilung des Centre Pompidou-Metz

Hélène Guenin ist seit November 2008 Leiterin des Bereichs Programmgestaltung des Centre Pompidou- Metz. An der Seite von Laurent Le Bon konzipiert sie die Ausstellungsprojekte sowie deren Abstimmung mit dem Rahmenprogramm des Wendel-Auditoriums und des Studios.
Von 2002 bis 2008 war sie die Mitarbeiterin von Béatrice Josse im Fonds régional d’art contemporain Lothringen.

 

Guillaume Désanges
Kurator und Kunstkritiker, Direktor von Work Method

Als Kurator hat Guillaume Désanges bereits zahlreiche Ausstellungen in Frankreich sowie im Ausland organisiert, darüber hinaus ist er Direktor der unabhängigen Kunstagentur Work Method. Von 2001 bis 2007 lenkte er die künstlerischen Aktivitäten der Laboratoires d’Aubervilliers, und 2007/2008 ist er verantwortlich für die Programmgestaltung der Tôlerie in Clermont-Ferrand. 2009 bis 2011 kuratiert er auf Einladung des Kunstzentrums Le Plateau - Frac Île de France das Ausstellungsprogramm Erudition Concrète.

Die Arbeit von Isidoro Valcárel wird dank der Unterstützung von AC/E Acción cultural española (Seacex) gezeigt

Die Auftragsarbeit von Public Space With A Roof wurde mithilfe der Fondation Mondriaan and Fonds BKWB / Netherlands Foundation for visual arts, design and architecture realisiert

Das Spiel der Ausstellung Irrwege, Labyrinthische Variationen wird von Carlson Wagonlit unterstützt

I - Das Labyrinth in der Architektur

Der architektonische Aspekt ist konstituierend für das Konzept des Labyrinths, welches bereits in der griechischen Mythologie Gestalt annahm: Der Minotaurus (halb Mensch, halb Stier) ist gefangen in einem Bauwerk, das so komplex ist, dass sein Ausgang nicht zu finden ist. Dieses Ur-Labyrinth, erdacht von dem Erfinder Dädalus, beruht auf einem Paradox: Wie kann eine rationale, methodische Architektur Chaos, Irrwege und Orientierungslosigkeit hervorbringen? In der Moderne haben Architekten und Künstler sich dieser Fragestellung erneut zugewandt, um eine Formensprache zu entwickeln, die auf dem Prinzip der durchbrochenen Linie beruht und Windungen, Verschachtelungen und Wucherungen zulässt. Dieser programmatische Rückgriff auf ein dekoratives Architekturkonzept bedeutete eine Abkehr von der Überschaubarkeit nüchterner Geradlinigkeit.

II - Raum – Zeit

Das Labyrinth ist das Urbild des Zeit erzeugenden Raumes. Sich darin zu bewegen bedeutet, Verlangsamung zu erfahren, Umwege zu machen, sich immer wieder am selben Ort wiederzufinden. In der Mathematik stehen Spirale, Schleife oder Möbiusband für diese paradoxe Fortbewegung in Raum und Zeit. Die Werke und Projekte dieser Ausstellungssektion vergegenwärtigen dem Besucher – jedes auf seine Art – die Dynamik dieses so eigenartigen Stillstands in der Bewegung, die Energie, die sich in jenen inwärts gedrehten Formen verbirgt, die sich in der Natur in Schneckenhaus oder Sternennebel manifestieren und die uns von mystischen Irrfahrten geradewegs in die Umlaufbahn der Planeten befördern.

III - Das geistige Labyrinth

Die Struktur des menschlichen Geistes wird häufig mit der eines Labyrinths verglichen. Im physiologischen Sinne kann man das Hirn als kompliziertes Netz aus Neuronen und Synapsen beschreiben, während Denken im metaphorischen Sinne „bedeutet, ein Labyrinth zu betreten“ (Cornelius Castoriadis). In der Philosophie gilt das Beschreiten von Irr- und Umwegen als notwendige Etappe auf der Suche nach Wahrheit. Das geistige Labyrinth konstituiert sich aus Wissen, aber auch Träumen und Erinnerungen. Es verkörpert die Untiefen des Bewusstseins zwischen Vergessen und Enthüllung und öffnet sich zu der von Henri Michaux beschriebenen „Erkenntnis in den Abgründen“. Bei den in dieser Ausstellungssektion präsentierten Werke handelt es sich um formalisierte Darstellungen der komplexen Territorien des Geistes, um Versuche ihrer Kartografierung und mögliche neue Ordnungssysteme von Ideen und Wirklichkeit.

IV - Metropolis

Die moderne Stadt mit ihren von dem belgischen Dichter Emile Verhaeren beschriebenen Tentakeln gleicht einem Labyrinth: Ihr aus der Ferne so übersichtlich erscheinendes Netz erweist sich als undurchsichtig und chaotisch, sobald man darin eintaucht. Damit verändert sich das Verhalten ihrer Bewohner: Mehr oder weniger freiwillig leben sie neue Formen von Abschweifung, Randständigkeit und Verlorenheit, die Stadt wird neues Terrain individuellen Erlebens. Paul Citroens Fotocollage Metropolis, die Fritz Lang zu seinem gleichnamigen Filmwerk inspirierte, symbolisiert mit ihrem dem antiken Babylon nachempfundenen Gigantismus und der schwindelerregend dichten Bebauung Macht und Autorität. Diese mythischen Städte sind Inspirationsquell für eine neue Art von Künstlern, die sich ihrer Erkundung und Kartografierung widmen. Dabei beschäftigen sie sich mit der Darstellung ihrer Komplexität oder machen sie sich als Spiel- und Experimentierfeld von mal poetischem, mal verwirrendem Charakter zu eigen.

V - Kinetische Verwirrspiele

In diesem Ausstellungsbereich geht es um die Erfahrung von Orientierungslosigkeit in physischer und optischer Hinsicht. Seit den 1950er-Jahren beschäftigen sich die Vertreter der kinetischen Kunst mit plastischen Experimenten zur Bewegung, wobei diese mechanisch, durch die Bewegung des Betrachters oder durch Vibrationen des Werkes selbst erzeugt werden kann. Grundprinzip ihrer Arbeiten ist die Interaktion mit dem Betrachter, den ihre illusionistische oder desorientierende Wirkung ebenso schwindeln wie staunen machen kann. In ihrer schlichten Konstruktion sorgen sie für massive Irritationen in seiner Wahrnehmung. Im Rahmen der Ausstellung werden sie in einen Kontext mit filmischen Werken gestellt, die eine Verbindung zwischen kinetischem Experiment und getrübten psychischen Bewusstseinszuständen herstellen.

VI - Gefangene

Das Labyrinth ist eine in ihrem Wesen paradoxe Konstruktion, soll es dem Minotaurus doch gleichzeitig Gefängnis sein und Schutz bieten. So lebt er dort in trügerischer Freiheit: Innerhalb seiner Grenzen kann er sich frei bewegen, doch gleichzeitig wird er von außen kontrolliert. Es sind die Unmöglichkeit, die Grenzen des Raumes zu erfassen, sowie das Fehlen von Bezugspunkten und einer adäquaten Kartografie, die trotz der Vielzahl an Perspektiven eine bedrückend klaustrophobische Empfindung wecken. Gleich einem Spinnennetz schnürt die komplexe Architektur ihr Opfer ein, umschließt es und wird ihm schließlich zur Falle. So ist das Labyrinth Auslöser höchst ambivalenter Verhaltensweisen: Gleichwohl als konditionierter Schutzraum wahrgenommen, drängt es zu ebenso spektakulären wie verzweifelten Fluchtversuchen.

VII - Initiation / Unterweisung

Die verschlungenen Wege durch das Labyrinth, auf denen es Hindernisse zu überwinden und Bewährungsproben zu bestehen gilt, sind seit Entstehung des Mythos auch Bild des Strebens nach Initiation. Die Durchquerung des Labyrinths ist ebenso spirituelle wie physische Reise. Von Prozessionswegen zu symbolischen Darstellungen der Weisheit, von Kirchenlabyrinthen zu tibetanischen Mandalas – das Beschreiten der konzentrisch verlaufenden Pfade hat stets auch eine moralische Dimension, ja erfordert Mut. Nach erfolgreicher Durchquerung des Labyrinths ist man nicht mehr derselbe, und folgt man seinen verschlungenen Wege, ist dies immer auch innere Reise. Die Durchquerung, verstanden als Lebensweg, stellt einen immer wieder vor Entscheidungen, lässt einen zögern und auf Abwege geraten, um schließlich zur Vollendung des Ichs zu gelangen. In verschiedenen Werken der zeitgenössischen Kunst wird diese moralische Dimension metaphorisch auf das Vertraute und Alltägliche übertragen.

VIII - Kunst als Labyrinth

Das Aufkommen der Avantgarden sowie der Beginn der Moderne in der Kunst markierten auch eine Abkehr vom seit der Renaissance verfolgten Konzept der Darstellung der Welt aus einer zentralen Perspektive (Fluchtpunkt). Damit kam es in der Malerei zu einer Explosion der perspektivischen Möglichkeiten sowie einer Abstraktion der Formen. Gleichzeitig begannen im experimentellen Film das Spiel mit Bedeutungen und die Dekonstruktion des linearen Handlungsverlaufs. Die damit zwischen Sinn und seiner visuellen Wiedergabe freibleibende Leerstelle ist Raum schwindelerregender Selbstreflexion, gleichsam Bild im Bild. In dieser Hinsicht kann man ein Kunstwerk sowohl auf der Ebene sinnlichen Erfahrens als auch konzeptuell als auswegloses Labyrinth betrachten, als komplexe, selbstreferenzielle Struktur, deren Erleben sich der herrschenden Logik entzieht, jedoch neue Formen von Wissen offenbart.

 

Historische und Archäologische Werke und Objecte

Mit der Präsentation von Plänen, Karten, Anatomietafeln, alten Stichen, Spielen und archäologischen Objekten öffnet die Ausstellung Türen zu faszinierenden Universen, die Ursprung und Entwicklung der vielfältigen, durch das Phänomen des Labyrinths inspirierten Gedankenexperimente und Spekulationen deutlich machen, verwandte Denkrichtungen aufzeigen und formale Verwandtschaften freilegen.
So finden sich Piraneses Carceri neben den Werken von Gego und Colombo; die Anatomietafeln von Gautier d’Agoty, ein phrenologischer Kopf und die ersten Darstellungen neuronaler Verbindungen durch Santiago Ramón y Cajals bilden ihrerseits den Einstieg zur Ausstellungssektion über Geist und Wissen, während Gänsespiele und Mandalas das Kapitel rund um Initiation und innere Suche bereichern. Schätze der Bibliotheken von Metz, des Louvres, des Musée du jeu de l’oie de Rambouillet, des Musée Testut-Latarjet und des Musée Guimet ergänzen das Ausstellungspanorama und geben Aufschluss über verschiedene zeitgenössische ästhetische und intellektuelle Strömungen sowie Theorien zur Organisation von Denken und Wissen, die auch heute noch aktuell sind.

 

Ausstellungsspezifische Auftragsarbeiten

Für die Ausstellung Irrwege werden Künstler mit der Produktion neuer Werke beauftragt und historische Arbeiten wie etwa die von Le Parc, Gianni Colombo und
Gianni Pettena werden reaktiviert.
Einige der ausstellungsspezifischen Auftragsarbeiten werden nachfolgend beschrieben:

Public Space With a Roof

Public Space With a Roof (PSWR) ist ein 2003 in Amsterdam gegründetes Künstlerkollektiv, hinter dem sich die beiden Künstlerinnen Tamuna Chabashvili und Adi Hollander sowie die Theoretikerin Vesna Madzoski verbergen. Im Rahmen von Irrwege wird das Kollektiv auf Einladung des Centre Pompidou-Metz mit seiner Intervention die Zwischenräume der Ausstellung bespielen, um gleich einer Spinne in den Ausstellungskulissen ein Netz zu weben. Das Projekt mit dem Titel La Ville inversée [Die umgekehrte Stadt] besteht in einer verschachtelten Selbstreferenz, die sowohl das Ausstellungsthema als auch die Ausstellung reflektiert: Es zieht sich durch die Säle, verrät, welche Labyrinthe und Geschichten die eingeladenen Künstler beschäftigt haben, und stellt bis dahin unsichtbare Verbindungen zwischen verschiedenen Werken her. Der Besucher folgt den Gedanken einer imaginären Gestalt, deren Weg durch die Ausstellung mit Anmerkungen, Bildern und dokumentarischem Material markiert ist. Damit thematisiert PSWR sowohl den konzeptuellen Hintergrund, aus dem sich der Begriff des Labyrinths konstituiert, als auch dessen museale Umsetzung im Kontext der Ausstellung Irrwege. In der ersten Etage wird ein Plan dieser Ville inversée, die der Besucher bei seinem Rundgang durch die Ausstellung nur verschwommen wahrnimmt, in Form einer Karte offengelegt.

Matt Mullican

Das Werk des 1951 geborenen amerikanischen Künstlers Matt Mullican entzieht sich den gängigen Zuordnungen der zeitgenössischen Kunst. Nachdem seine Arbeiten in Frankreich bereits mehrfach gezeigt wurden, zuletzt im Institut d’art contemporain in Lyon, widmete ihm das Haus der Kunst in München vom 10. Juni bis 11. September 2011 eine große Retrospektive.
Seit den 1970er-Jahren entwickelt Mullican mittels seiner Performances, Installationen, Zeichnungen und Skulpturen ein Modell einer subjektiven Kosmologie, dessen Struktur mit einem Farb- und Zeichensystem gestaltet ist. Unter anderem bedient er sich dabei der Hypnose. Sein Farb- und Zeichensystem ermöglicht ihm eine Organisation der Gesellschaft in neu ersonnenen Welten. Er kombiniert Farben mit symbolhaften Zeichen, wobei Grün für die Materie, Rot für spirituelle Werte, Gelb für bewusste Manifestationen von Kunst und Wissenschaft, Blau für die Mysterien des Alltäglichen und Schwarz für Sprache steht. Diese Piktogramme, die er auf unterschiedliche Trägermaterialien aufbringt und untereinander kombiniert, sind Versuche einer Ordnung des Realen. Auf der Grundlage seiner persönlichen Klassifizierungen entwickelt der Künstler sogenannte charts, Städte und Weltkarten, die Naturphänomene oder die Mysterien des menschlichen Daseins darstellen. Das Centre Pompidou-Metz hat Mullican eingeladen, ein Werk für die eindrucksvolle, 20 Meter hohe Wand der Grande Nef zu entwickeln. Seine monumentale Intervention ist eine umfassende Auseinandersetzung mit dem menschlichen Geist und Gehirn. Es handelt sich dabei um eine der größten Auftragsarbeiten, die Mullican je für eine Museumsinstitution geschaffen hat.

Michel François et François Curlet

Für die Ausstellung Irrwege bespielen Michel François und François Curlet die gläserne Front über dem Eingang des Centre Pompidou-Metz. Sie versehen letztere für ihre Intervention mit schwarzen Linien, die etwa an einen mechanischen Schaltkreis oder an ein Spinnennetz erinnern. Angesichts ihrer scheinbar zufälligen Anordnung lassen diese Linien auch an ein Netz von Fadenrissen eines gesprungen Fensters denken, das mit schwarzem Klebeband notdürftig geflickt wurde.
Seit Ende der 1980er-Jahre beschäftigt sich Michel François mit zersprungenem Glas – sei es in der visuellen Auseinandersetzung mit den diffusen Netzstrukturen, die sich bei seiner Implosion ergeben, seien es – auf einer eher urbanen und gesellschaftlichen Ebene –Reflexionen um das Konzept der Revolte und die sich sternförmig ausbreitende Wucht eines Projektils. In beiden Fällen zielt er darauf ab, die Transparenz der modernen Stadt zu beeinträchtigen und die damit verbundenen Illusionen von Sichtbarkeit und Überwachung zu (zer)stören.
Bei der in Metz präsentierten Map of Metz (As it was broken) handelt es sich um eine vereinfachte Karte der Stadt Metz. Die Glasfassaden der drei Galerien des Centre Pompidou-Metz nehmen, großen Teleskopen gleich, das Panorama der Stadt in den Blick. Mit dieser Hinwendung zur Außenwelt wird das Gebäude zum riesigen Observatorium, und die stilisierte Darstellung der Stadt legt sich über die reale Stadt.

Vito Acconci
New York, USA, 1940 –lebt in New York)

Bas Jan Ader
(Winschoten, Niederlande, 1942 – 1975 zwischen Cape Cod und Irland auf See verschollen)

Jacques Fabien Gautier d’Agoty
(Marseille, Frankreich, 1716 – Paris, Frankreich, 1785)

Francis Alÿs
(Antwerpen, Belgien, 1959 – lebt in Mexiko-Stadt, Mexiko)

Carl Andre
(Quincy, USA, 1935 – lebt in New York, USA)

Art & Language : Michael Baldwin (Chipping Norton, Großbritannien, 1945), Mel Ramsden (Ilkeston, Großbritannien, 1944 – leben in Middleton Cheney, Großbritannien)

Saul Bass
(New York, USA, 1920 – Los Angeles, USA, 1996)

Didier Beaufort
(Lüttich, Belgien, 1955 – lebt in Brüssel, Belgien)

Christophe Berdaguer (Marseille, Frankreich, 1968), Marie Péjus (Marseille, 1969 – leben in Paris und Marseille)

Lee Bontecou
(Providence, USA, 1931 – lebt in Orbisonia, USA)

Ian Breakwell
(Long Eaton, Großbritannien, 1943 – London, Großbritannien, 2005)

 Santiago Ramón y Cajal
(Petilla de Aragón, Spanien, 1852 – Madrid, Spanien, 1934)

Vija Celmins
(Riga, Lettland, 1938 – lebt in New York, USA)

Paul Citroen
(Berlin, Deutschland, 1896 – Wassenaar, Niederlande, 1983)

Henri-Georges Clouzot
(Niort, Frankreich, 1907 – Paris, Frankreich, 1977)

Guy de Cointet
(Paris, 1934 – Los Angeles, États-Unis, 1983)

Gianni Colombo
(Paris, Frankreich, 1934 – Los Angeles, USA, 1983)

Constant (Constant Anton Nieuwenhuys, genannt)
(Amsterdam, Niederlande, 1920 – Utrecht, Niederlande, 2005)

Coop Himmelb(l)au : Wolf D. Prix (Wien, Österreich, 1942), Helmut Swiczinsky
(Posen, Polen, 1944 - leben in Wien, Österreich, und Los Angeles, USA)

Guy Debord
(Paris, Frankreich, 1931 – Champot, Frankreich, 1994)

Agnes Denes
(Budapest, Ungarn, 1931 – lebt in New York, USA)

Maya Deren (Kiew, Russland, 1917 – New York, USA, 1961) & Alexander Hammid
(Linz, Österreich-Ungarn, 1907 – New York, USA, 2004)

Julien Discrit
(Epernay, Frankreich, 1978 – lebt in Paris)

Gino de Dominicis
(Ancona, Italien, 1947 – Rom, Italien 1998)

Marcel Duchamp
(Blainville-Crevon, Frankreich, 1887 - Neuilly-sur-Seine, Frankreich, 1968)

Viking Eggeling
(Lund, Schweden, 1880 – Berlin, Deutschland, 1925)

David-Georges Emmerich
(Debrecen, Ungarn, 1925 – Paris, Frankreich, 1996)

Harun Farocki
(Neutitschein,Deutschland, 1944 – lebt in Berlin, Deutschland)

Léon Ferrari
(Buenos Aires, Argentinien, 1920 – lebt in Buenos Aires, Argentinien)

Michel François (Saint-Trond, Belgien, 1956 – lebt in Brüssel, Belgien) & François Curlet (Paris, Frankreich, 1967 – lebt in Paris, Frankreich, und Brüssel, Belgien)

Yona Friedman
(Budapest, Ungarn, 1923 – lebt in Paris, Frankreich)

Gego (Gertrud Goldschmidt,genannt)
(Hamburg, Deutschland, 1912 – Caracas, Venezuela, 1994)

Joseph Grigely
(East Longmeadow, USA, 1956 – lebt in Chicago, USA)

Mona Hatoum

(Beyrouth, Liban, 1952 – vit à Londres, Royaume-Uni)

Thomas Hirschhorn (Berne, Suisse, 1957 – vit à Aubervilliers), Marcus Steinweg (Koblenz, Allemagne, 1971 – vit à Berlin, Allemagne)

Jean-Isidore Isou Goldstein, dit Isidore Isou
(Botoşani, Roumanie, 1925 – Paris, 2007) 


Mike Kelley
(Detroit, États-Unis, 1954 – vit à Los Angeles, États-Unis)

Toba Khedoori
(Sydney, Australie, 1964 – vit à Los Angeles, États-Unis)

Abbas Kiarostami
(Téhéran, Iran, 1940 – vit à Téhéran)

Frederick Kiesler
(Czernowitz, Empire austro-hongrois, 1890 – New York, États-Unis 1965)

Běla Kolářová
(Terezín, Tchécoslovaquie, 1923 – Prague, République tchèque, 2010)

Rem Koolhaas (Rotterdam, Pays-Bas, 1944 – vit à Rotterdam), Madelon Vriesendorp (Bilthoven, Pays-Bas, 1945 – vit à Londres, Royaume-Uni), Zoe Zenghelis (Athènes, Grèce, 1937 – vit à Londres, Royaume-Uni) et Elia Zenghelis (Athènes, Grèce, 1937 – vit à Bruxelles, Belgique)

Igor Kopystiansky (Lviv, URSS, 1954), Svetlana Kopystiansky (Voronej, URSS, 1950 – vivent à New York, États-Unis)

Kisho Kurokawa
(Nagoya, Japon, 1934 – Tokyo, Japon, 2007)

Fritz Lang
(Vienne, Autriche-Hongrie, 1890 – Beverly Hills, États-Unis, 1976)

Andreas Laurentius
(Arles, 1558 – Paris, 1609)

Julio Le Parc
(Mendoza, Argentine, 1928 – vit à Cachan)

Augustin Lesage
(Saint-Pierre-lez-Auchel, 1876 – Burbure, 1954)

Barry Le Va
(Long Beach, États-Unis, 1941 – vit à New York, États-Unis)

Mark Lombardi
(Syracuse, États-Unis, 1951 – New York, États-Unis, 2000)

Richard Long
(Bristol, Royaume-Uni, 1945 – vit à Bristol)

Kasimir Malevitch
(Kiev, Russie, 1879 – Leningrad, URSS, 1935)

Corey McCorkle
(La Crosse, États-Unis, 1969 – vit à New York, États-Unis)

Henri Michaux
(Namur, Belgique, 1899 – Paris, 1984)

Vera Molnár
(Budapest, Hongrie, 1924 – vit à Paris)

Robert Morris
(Kansas City, États-Unis, 1931 – vit à New York, États-Unis)

Nicolas Moulin
(Paris, 1970 – vit à Berlin, Allemagne)

Matt Mullican
(Santa Monica, États-Unis, 1951 – vit à New York, États-Unis)

Rosalind Nashashibi
(Croydon, Royaume-Uni, 1973 – vit à Londres, Royaume-Uni)

Gianni Pettena
(Bolzano, Italie, 1940 – vit à Fiesole, Italie)

Giovanni Battista Piranese, dit Piranèse
(Mogliano Veneto, République de Venise, 1720 – Rome, Italie, 1778)

Public Space With a Roof : Tamuna Chabashvili (Tbilisi, Géorgie, 1978), Adi Hollander (Bruxelles, Belgique, 1976), Vesna Madzoski (Zaječar, Serbie, 1976 – vivent à Amsterdam, Pays-Bas)

Jean Renaudie
(La Meyze, 1925 – Ivry-sur-Seine, 1981)

Alexandre Rodtchenko
(Saint-Pétersbourg, Russie, 1891 – Moscou, URSS, 1956)

Nicolas Schöffer
(Kalocsa, Hongrie, 1912 – Paris, 1992)

Robert Smithson
(Passaic, États-Unis, 1938 – Amarillo, États-Unis, 1973)

Frank Stella
(Malden, États-Unis, 1936 – vit à New York, États-Unis)

Günther Uecker
(Wendorf, Allemagne, 1930 – vit à Düsseldorf, Allemagne)

Isidoro Valcárcel Medina
(Murcie, Espagne, 1937 – vit à Madrid, Espagne)

Aldo Van Eyck
(Driebergen, Pays-Bas, 1918 – Loenen aan de Vecht, Pays-Bas, 1999)

Raphael Zarka
(Montpellier, 1977 – vit à Paris)

Der unter der Leitung von Hélène Guenin und Guillaume Désanges herausgegebene Ausstellungskatalog Erre ist der vierte vom Centre Pompidou- Metz veröffentliche Ausstellungskatalog.

Die grafische Gestaltung des Werkes wurde frei durch die Anfang des 20. Jahrhunderts von der Manufacture française d’armes et cycles herausgegebenen Kataloge inspiriert, die in der Vergangenheit bereits zahlreiche Künstlern beeinflussten – man denke etwa an Marcel Duchamp, der das Gesamtverzeichnis seiner Werke in seiner Machart an diese Form anlehnte, oder an Jacques Carelmans Catalogue d’objets introuvables [Katalog der unmöglichen Objekte].

Auf eine Hierarchisierung der Daten wird bewusst verzichtet. So versteht sich der Katalog als freies, keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit erhebendes Inventar labyrinthischer Ideen und Gedanken. Auf seinen Seiten verbinden sich Informationen zu den Werken und Beiträge zum Thema zu einer labyrinthischen Kartografie: So schieben sich Märchen, Bilder und Literatur rund um Irrfahrten und -wege zwischen die Werke der Ausstellung..

Der Katalog umfasst unter anderem Beiträge von Eric Duyckaerts, Luc Gwiazdzinski, Marcella Lista, Céleste Olalquiaga, Doina Petrescu, Pierre Rosenstiehl, Olivier Schefer und Philippe Vasset sowie Vorworte von Alain Seban und Laurent Le Bon.

Für das visuelle Erscheinungsbild und die grafische Gestaltung zeichnen Les Associés réunis zuständig.

Les Associés réunis ist ein 2005 von Gérard Lo Monaco gegründetes Grafikdesignstudio, das sich hauptsächlich auf Buchdesign spezialisiert hat. Marie Sourd und Katie Fechtmann, die ihr Studium beide an der ESAG Penninghen absolvierten, gehören ebenfalls zum Team.

Das Studio begleitet jährlich die künstlerische Leitung, das Layout von Bucheinbänden und die Typografie von etwa zwanzig Editionsprojekten, beispielsweise für die Verlagshäuser Hélium, Denoël, 10/18 und Gallimard.

lesassociesreunis.com

Katalogbeschreibung:
272 Seiten
Nur auf Französisch
Erscheinungsdatum:
September 2011
Preis: 39,00 EUR

Das Spiel zur Ausstellung Irrwege : Le Labyrint*e en valise *(h)

 Als Spiel zur Ausstellung ist Le Labyrint*e en valise *(h) [Das Labyrinth im Koffer] ein Rätsel im Rätsel. In seiner Form ist es eine Reminiszenz an die Tradition der Heckenlabyrinthe, bei deren Durchquerung kleine Rätsel zu lösen waren. Auf ihrer lehrreichen Schnitzeljagd begegnen die Ratenden Gedichten, Kunstwerken, Zitaten und kleinen Rechenaufgaben, die ihnen Ariadnefaden bei der rätselhaften und bewegenden Erkundung der Ausstellung sind.

Sind alle Rätsel und Aufgaben gelöst, das Mysterium durchdrungen und die Abenteuer der Ausstellung bestanden, wartet auf die erfolgreichen Teilnehmer außerdem noch eine Belohnung.
Das Spiel zieht sich über den gesamten Ausstellungszeitraum. Die Ergebnisse werden täglich auf der Website des Centre Pompidou-Metz veröffentlicht und können außerdem auf der Facebook-Seite des Centre Pompidou-Metz eingesehen werden.

 

Das Kartenspiel Labyrint*e en valise *(h)

Das aus 49 Karten bestehende Spiel ist ein Labyrinth „im Koffer“ . Spielfeld ist nicht nur das Centre Pompidou-Metz, sondern auch die Stadt. Die Karten führen den Spieler zu verschiedenen Hinweisen und Rätseln, die ihm helfen, einen möglichen (Aus-)Weg zu finden und eine Struktur zu erkennen, und lassen ihn gleichzeitig die Faszination dieses anderen (Er-)Lebens spüren. An ihm ist es nun, durch dieses Labyrinth aus Bildern, Texten und Rechenaufgaben, das gleichzeitig Puzzle, Rätselspiel und noch vieles mehr ist, ans Ziel zu gelangen.

Verkaufspreis: 10 €

Das Spiel „Le Labyrint*e en valise“ wurde von dem unabhängigen Kurator Jean de Loisy auf Einladung der Kuratoren von Irrwege entwickelt.

Jean de Loisy ist gegenwärtig Präsident des Palais de Tokyo in Paris. Zuvor war er unter anderem Inspektor für kreatives Schaffen im französischen Kulturministerium sowie Konservator der Fondation Cartier und des Centre Pompidou in Paris, außerdem Direktor oder stellvertretender Direktor diverser Kunstinstitutionen in Frankreich. Er hat bereits zahlreiche monografische Werkschauen und bedeutende Ausstellungen wie im Jahr 2000 „La Beauté“ in Avignon oder 2008 „Traces du sacré“ im Centre Pompidou organisiert. Er war Kurator der Monumenta 2011 / Anish Kapoor im Grand Palais sowie des israelischen Pavillons auf der Biennale 2011, der von Sigalit Landau bespielt wird. Gegenwärtig bereitet er eine im Oktober dieses Jahres beginnende Ausstellung von Jacques Lizène in der Passage de Retz in Paris und eine Ausstellung über Schamanismus mit dem Titel „Les Maîtres du désordre“ [Meister der Unordnung] im Musée du Quai Branly für das Jahr 2012 vor.

Unter Mitwirkung von Estelle Delesalle, Künstlerin, und Laurent Derobert, Philosoph und Mathematiker.
In Partnerschaft mit der Ecole supérieure d’art d’Avignon


¹ Die Titel des Spiels lehnt sich frei an Marcel Duchamps Boite-en-valise an.

Das Spiel der Ausstellung Irrwege, Labyrinthische Variationen wird von Carlson Wagonlit unterstützt