1984-1999. Das Jahrzehnt

Ausstellungen1984-1999. Das Jahrzehnt

Vom 24. Mai 2014 bis 2. März 2015

Wo?: Galerie 1
Was?: Ausstellungen
Publikum: Alle Altersklassen

Mit seinem Roman Generation X – Geschichten für eine immer schneller werdende Kultur von 1991 zeichnet Douglas Coupland ein Porträt der rastlosen Generation der „Baby Busts“, der Jahrgänge von 1965 bis 1977, die sich allen Bindungen und dem Erwachsenwerden verweigert, um sich von der Generation der Babyboomer abzugrenzen. Das „X“ bezieht sich auf die Anonymität dieser Generation von Individualisten, deren Hymne Smells Like Teen Spirit von Nirvana ist und die die Geburt des Internets, das Ende der Geschichte und den Tod der Ideologien sowie den Übergang vom Zeitalter der Reproduktion zum Zeitalter der uneingeschränkten Verfügbarkeit erlebt haben.

Und diese Generation war es auch, die die großen Pionier- und Entdeckergeschichten wieder in die Kunst zurückholte, die Körperlosigkeit der Toons, die Bilder der ersten Schritte auf dem Mond, Armstrongs verzerrte Stimme. Gemeinsam definierten sie neue Bezüge zur Welt, neue Formen des Experimentierens, der Grenzüberschreitung und der Zweckentfremdung und damit widerständige Praktiken gegen die vorangegangenen (Konter-)Revolutionen.

Seit einigen Jahren wird diese Generationenfrage intensiv auf internationaler Ebene diskutiert. In Publikationen, Ausstellungen und Diskussionen versucht man, jenen speziellen Augenblick auszumachen, da Künstler, unabhängige Kuratoren, Galerien, Kunstzentren, -schulen und -magazine sich zu informellen Netzwerken zusammenschlossen; die Umstände nachzuvollziehen, unter denen der Grundstein für ein neues Vokabular der Ausstellung gelegt wurde und unter denen man zu neuen Möglichkeiten fand, Kunst zu machen und zeitgenössisch zu sein.

Dieses Jahrzehnt, das sich jeder Definition und jeder historischen Einordnung entzieht, ist Thema der Ausstellung 1984–1999. Das Projekt ist nicht Retrospektive oder Zusammenschau eines Jahrzehnts, sondern ein biografischer Raum, der sich aus Objekten, Tönen, Stimmen, Bildern, Gedanken und Empfindungen konstituiert. Die von der international bekannten Künstlerin Dominique Gonzalez Foerster entwickelte Ausstellungslandschaft erscheint wie das modellhafte Abbild eines Ortes im Übergang zwischen Stadt und Natur, Innen und Außen, Tag und Nacht.

Bei der Ausstellung geht es weder um die Rekonstruktion einer Epoche noch um eine nostalgische Rückschau auf eine ideale, unwiderbringlich vergangene Zeit. Ziel ist vielmehr die Aktualisierung von Formen und Praktiken, die Vorgriff auf die künstlerische Produktion der Gegenwart waren. Ausgehend von der einführenden Beschäftigung mit einigen zentralen Figuren der 1990er-Jahre – etwa dem Künstler Liam Gillick, dem Kurator Hans Ulrich Obrist, dem Schriftsteller Michel Houellebecq, dem Regisseur David Lynch –, versammelt die Ausstellung Objekte und Quellen, die in jener Zeit auftauchten und die Kunstwelt inspirierten, und sie sucht zwischen den verschiedenen Bereichen der Kunst – von der Literatur über den Film und die Musik bis hin zu Architektur und Design – neue Bezüge jenseits aller Hierarchisierungen zu schaffen.

Die Ausstellung ist Spiegelbild des Lebensgefühls der 1990er-Jahre, das François Cusset wie folgt beschreibt: „Eine Welt, in der die ‚Jugendlichen‘, zumindest jene, die Mitte der 1980er Heranwachsende waren, angesichts des immensen ideologischen Vakuums neue Formen der Weltflucht und des inneren Exils erfinden und Gegenwelten ersinnen mussten, die die Welt für sie bewohnbar machten, um so in mehr oder weniger kurzfristigen Autonomien zu leben. Eine Welt, die sich in Auflösung befand, in der das Traurig sein an sich den einzigen Bezug zur Welt bildete, wenn nicht sogar, wie ein Jugendlicher es ausdrückte, die einzige Möglichkeit war, nicht ganz und gar unglücklich zu sein.“

Zur Ausstellung erscheint ein von François Cusset (Professor für amerikanische Zivilisationsgeschichte an der Universität Nanterre) herausgegebenes Werk.

Kuratorin:
Stéphanie Moisdon, Kunstkritikerin und freie Kuratorin

Ausstellungsdesign: nach einem Entwurf der Künstlerin Dominique Gonzales Foerster

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Mit Unterstützung von Fundación Almine y Bernard Ruiz-Picasso para el Arte
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